Zu viele zweite Plätze

von Redaktion

Mats Hummels bestreitet am Samstag sein sechstes Pokalfinale – erst ein Sieg

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Der letzte Eindruck dominiert oft, er überwiegt und stellt andere Ereignisse, vielleicht bessere, in den Schatten. Der letzte Eindruck vom Pokalfinale für Mats Hummels war kein guter. Genau genommen hat der Innenverteidiger des FC Bayern sogar die letzten vier Endspiele in Berlin in schlechter Erinnerung. „Es war bisher zwar immer ein richtiges geiles Spiel gewesen, aber das Finale ist mit viel zu vielen zweiten Plätzen für mich zu Ende gegangen“. sagte Hummels.

Am Samstag gegen RB Leipzig bestreitet der 30-Jährige sein sechstes Endspiel in Berlin, das zweite mit dem FC Bayern. Aber nur einmal gehörte er zur Sieger-Mannschaft. 2012 triumphierte Hummels im Trikot von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern, der innerhalb von wenigen Wochen den zweiten Titel nach der Meisterschaft verlor. Der dritte folgte eine Woche später im Champions League-Finale dahoam gegen Chelsea. „Das ist ein Tag, der vermutlich bei jedem von uns als einer der erfolgreichsten in die Karriere eingeht“, sagte Hummels nach dem 5:2-Sieg gegen die Münchner.

Im Pokal kam tatsächlich bisher nichts mehr Besseres. Zwei Jahre später hieß der Gegner für Hummels und seinem BVB wieder Bayern – und da machten es die Münchner besser. Sie gewannen 2:0 nach Verlängerung. Das Spiel blieb zum einen wegen der taktischen Finesse vom damaligen Bayern-Coach Pep Guardiola (Dreierkette in der Abwehr, Viererkette im Mittelfeld) in Erinnerung und weil es ein Plädoyer für die Torlinientechnik war, die damals kurz zuvor abgelehnt worden war. Der Aufreger war ein Kopfball von Hummels in der 64. Minute, den Dante klärte – allerdings erst hinter der Linie, wie es auf den Fernsehbildern zu sehen war. Die standen dem Schiedsrichter aber nicht zur Verfügung, ebenso wenig ein Kollege in Köln – es handelte sich ja noch um die Vor-Videoassistent-Zeit. Hätte der Treffer gezählt, gab Guardiola zu, „hätte es wahrscheinlich alles geändert.“

Ein Jahr später traf Dortmund im Fi¼nale auf den VfL Wolfsburg – und wieder spielte Hummels eine bedeutende Rolle. Vor dem Tor von Kevin de Bruyne zum 2:1 für die Niedersachsen ließ sich der Verteidiger tunneln. Am Ende gewann Wolfsburg 3:1.

2016 bestritt Hummels das letzte Finale für Dortmund, pikanterweise gegen seinen künftigen Verein Bayern. Nach 78 Minuten humpelte er vom Platz wegen eines Krampfes, „der nicht zu ignorieren war“, wie er sagte. Er schaute zu, wie sich Kollegen in die Verlängerung und dann ins Elfmeterschießen kämpften, das sie 3:4 verloren. „Ich hatte mir vorgenommen, noch einmal alles zu geben. Es ist sehr schade, dass es nun so gekommen ist. Ich hätte gern jede Minute mit daran gearbeitet, dass wir den Pokal gewinnen“, sagte er später auf der Verlierer-Party.

Und auch mit den Bayern klappte es im vergangenen Jahr nicht, da hatte Niko Kovac mit seiner damaligen Mannschaft Eintracht Frankfurt etwas dagegen, bezwang als Außenseiter den Favoriten 3:1. Es ist für Hummels an der Zeit, „die nicht so positive Bilanz in Berlin“ gegen Leipzig am Samstag „deutlich zu korrigieren“. Zwei Siege gegenüber vier Niederlagen würde sich aber nur ein bisschen besser lesen als bisher. Nicht deutlich.

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