Vorrunde der Eishockey-WM

Erinnerung an die Silber-Jungs

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Was war das für eine Aufregung, damals vor einem guten Jahr in Südkorea. Die deutschen Eishockeyspieler verwandelten sich bei Olympia in Silber-Jungs, die von Marco Sturm befehligten Mannen wurden überschwänglich als Olympiahelden gefeiert. Eishockey schien urplötzlich eine ganz große Nummer zu sein in Deutschland. Allerdings: Die Euphorie legte sich bald. Schon die WM im Mai 2018 missriet: Die Olympia-Zweiten scheiterten in der Vorrunde, am Ende stand ein kümmerlicher 11. Rang zu Buche. Bundestrainer Sturm verabschiedete sich zudem in die NHL. Als Toni Söderholm dessen Amt übernahm, war also nicht mehr viel übrig geblieben vom Rückenwind aus Südkorea. Gleichzeitig aber sollte der Finne die internationale Konkurrenzfähigkeit wieder aufmöbeln. Keine leichte Mission.

Es gab ja auch leise Zweifel, ob der sehr unaufgeregt bis nüchtern rüberkommende Söderholm nun wirklich der geeignete Nachfolger für den vergleichsweise charismatischen, von der Autorität des langjährigen NHL-Angreifers profitierenden Sturm sein würde. Die erste Antwort gab der 41-Jährige schon in der WM-Vorrunde in der Slowakei: Fünf Siege in sieben Spielen – für deutsche Verhältnisse ist das eine grandiose Zwischenbilanz. Und Söderholm hat dabei bereits Führungsstärke gezeigt. Vermied nach den ersten vier Siegen jeden Überschwang. Und als es Niederlagen setzte gegen Kanada (1:8) und USA (1:3), blieb er stoisch, schärfte sein Profil, indem er seinen Star Leon Draisaitl kritisch beurteilte und mehr Mannschaftsdienlichkeit anmahnte. Prompt lieferte der Mann aus Edmonton zwei Treffer gegen Finnland.

Natürlich ist Söderholm nicht der alleinige Grund, dass sich das deutsche Eishockey bislang dem Pyeongchang-Niveau näherte. Das aktuelle Team verfügt über eine ungewöhnlich große Zahl talentierter Spieler; das Potenzial lässt auch für die Zukunft einiges erwarten. Vielleicht ist es sogar möglich, mittelfristig den von Verbandsseite offiziell angestrebten Anschluss an die Weltspitze dauerhaft zu realisieren.

Die ersten entsprechenden Ansätze sind bislang auch in der Slowakei zu besichtigen gewesen. Der große TV-Boom setzt zwar noch nicht ein. Auch wenn die bisherigen Quoten von rund einer Million achtbar sind. Aber für mehr fehlt einer WM die Strahlkraft von Olympia. Und die ganz große Bewährungsprobe steht mit dem Viertelfinale erst noch bevor. Noch ein Sieg – und das Turnier wäre erneut ein überaus imposanter Erfolg für das deutsche Eishockey.

Armin.Gibis@ovb.net

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