München – Als Peter Pacult 2011 den Trainerposten bei RB Leipzig übernahm, steckte das Projekt Profifußball dort noch in den Kinderschuhen. Acht Jahre später ( Samstag, 20 Uhr) spielen die Leipziger im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern um den ersten großen Titel der jungen Vereinsgeschichte. Im Interview blickt der frühere Löwen-Coach Pacult, 59, zurück auf die Zeit bei RB, seine kuriose Entlassung und einen Kantersieg gegen Giovanni Trapattoni.
Herr Pacult, wir erreichen Sie in Montenegro, wo sie OFK Titograd trainieren. Wie läuft’s?
Es läuft so weit okay. Sportlich haben wir das Ziel fast geschafft. Wenn Buducnost am 29. Mai das Pokalfinale gewinnt, ist auch Titograd wieder in der Europa-League-Qualifikation. Das war das Ziel. Ob es hier für mich weitergeht, weiß ich aber noch nicht. Die Tendenz geht eher in die andere Richtung.
Blicken wir auf Ihre Zeit bei RB Leipzig. Welche Erinnerungen haben Sie?
Wir haben damals in der Nordost-Liga gespielt, die es heute so nicht mehr gibt. Damals waren die Amateure des Hamburger SV, von St. Pauli und Hannover bei uns in der Liga. Dazu Kiel, Havelse, Meppen. Es war wirklich eine sehr starke Liga. Trotzdem waren wir Mitte der Rückrunde schon vier Punkte vorne, haben schließlich aber in einer Englischen Woche den Aufstieg verspielt. Und zwar mit einer unnötigen Heimniederlage gegen Meuselwitz.
Besser lief es damals im DFB-Pokal.
In der ersten Runde haben wir den VfL Wolfsburg mit Trainer Felix Magath und Spieler Hasan Salihamidzic eliminiert – vor fast 32 000 Zuschauern. Sensationell für einen Viertligisten! Schon damals merkte man, dass die Region wieder Fußball sehen will. In der zweiten Pokalrunde gegen Augsburg (0:1/Red.) hatten wir sogar 35 000 Zuschauer. In Leipzig entstand etwas.
Sie aber mussten nach nur einer Saison Ihre Koffer packen. Wie kam’s?
Im Sommer haben wir ganz normal die Vorbereitung begonnen, aber dann tat sich plötzlich etwas in Salzburg. Ricardo Moniz ist am ersten Trainingstag als RB-Coach zurückgetreten, weil ihm ein Fitnesstrainer zur Seite gestellt wurde, den er nicht haben wollte. Ich habe anschließend ein langes Telefongespräch mit Herrn Mateschitz gehabt. Es ging sogar darum, mich in Leipzig abzuziehen und nach Salzburg zu schicken. Wir sind dann aber so verblieben, dass ich meinen Auftrag in Leipzig erfüllen soll – auch Herr Mateschitz war dafür.
Es sollte aber anders kommen.
Ralf Rangnick wurde Sportdirektor bei RB. Und ich bin zum Spielball geworden. Erst installierte Rangnick Roger Schmidt in Salzburg als Trainer, dann holte er Alexander Zorniger von Großaspach nach Leipzig. Ich musste leider Abschied nehmen.
Gab es einen Austausch mit Ralf Rangnick?
Ich hatte nie Kontakt mit ihm – weder vor meiner Entlassung noch danach. Ich wurde immer aus Salzburg informiert. Warum es nie zu einem Gespräch gekommen ist, weiß ich bis heute nicht. Es war ja nicht so, dass wir uns nicht gekannt hätten. 1997 war Ralf in Ulm Trainer und ich bei den Amateuren von 1860.
Mittlerweile haben Sie Ihren Frieden mit RB geschlossen?
Ja, selbstverständlich. Das ist der Lauf der Dinge in diesem Geschäft. An dem Tag, als ich freigestellt wurde, hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit Herrn Mateschitz. Und heute muss man sagen, dass Ralf alles richtig gemacht hat. Red Bull steht dort, wo Herr Mateschitz immer hinwollte.
Wie ist es 2011 denn dazu gekommen, dass Sie nach Leipzig gingen?
Red Bull hat schon 2005 Austria Salzburg übernommen, vier Jahre später dann die Lizenz des SSV Markranstädt. Ich als Österreicher habe immer verfolgt, was dort passiert. Nach meiner Trennung von Rapid Wien 2011 kam es aber auch für mich überraschend, dass ich von RB kontaktiert worden bin. Sicher, ich war schon vor meinem Engagement bei Rapid kein Unbekannter – vor allem durch die Zeit bei 1860 und Dynamo Dresden. Und dann hat noch ein großes Ergebnis mitgespielt.
Und zwar?
Ich habe mit Rapid Wien am Ostersonntag 2008 mit 7:0 in Salzburg gewonnen. Giovanni Trapattoni war damals Trainer dort, Alex Zickler hat gespielt. So macht man auf sich aufmerksam (lacht).
War schon zu Ihrer Zeit bei RB zu sehen, dass der Club kein normaler Regionalligist ist?
Absolut. Es war von Anfang an klar, dass RB etwas Großes aufbaut. Sie haben damals schon provisorisch eine Container-Landschaft am Cottaweg errichtet. Es gab schon drei Rasenplätze und einen Kunstrasen. Die Planung für das heutige Zentrum mit Schlafzimmern für die Spieler gab es auch schon. Es war nur noch eine Frage des Baubeginns. Man darf jetzt nicht so tun, als wenn Ralf Rangnick das alles installiert hätte.
Verfolgen Sie Ihren Ex-Club bis heute?
Ich verfolge Leipzig und Salzburg noch immer. Schon mein Nachfolger Alex Zorniger hat sehr gute Arbeit gemacht und den Durchmarsch geschafft. Auch Hasi (Ralph Hasenhüttl/Anm. d. Red.) hat abgeliefert, ist sogar in den Europacup gekommen. In Leipzig ist es stetig bergauf gegangen. Auch jetzt – Hut ab. Ralf hat die Mannschaft in die Champions League gebracht, das war immer sein großes Ziel.
Interview: Jonas Austermann
„Ich hatte nie Kontakt mit Rangnick – weder vor meiner Entlassung noch danach“