Katar-WM nur mit 32 Teams

Infantinos Schlappe

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Es war ein Termin ganz nach Gianni Infantinos Geschmack. Der Präsident des Weltfußball-Verbandes FIFA strahlte gestern übers ganze Gesicht, als er im Kreml von keinem Geringeren als Wladimir Wladimirowitsch Putin mit einem Freundschaftsorden ausgezeichnet wurde. Innig drückte er dem russischen Machthaber die Hand, tätschelte Gospodin Putin wie einen alten Vertrauten am Oberarm. Offensichtlich war: Infantino fühlte sich standesgemäß behandelt. Am Vortag konnte davon nicht unbedingt die Rede sein. Da galt es eine herbe Enttäuschung zu verkraften. Die FIFA verwarf das Vorhaben, schon 2022 in Katar das WM-Turnier mit 48 statt – wie bisher – 32 Mannschaften zu bestücken. Womit eines von Infatinos Lieblingsprojekten scheppernd zu Bruch ging. Man muss nicht von Schadenfreude beseelt sein, um dies als persönliche Niederlage des so geschäftstüchtigen Schweizers zu werten.

Allerdings ist es ein Trugschluss zu glauben, hiermit würde endlich Vernunft und Augenmaß in den Welt-Fußball einkehren. Nicht die Einsicht, ein auf 48 Teams aufgeblähtes Event würde eine Art Fußball-Inflation nach sich ziehen, führte zum Scheitern der von Infantino forcierten Aufstockung. Der FIFA-Chef hatte vielmehr die politischen Verhältnisse in der Golfregion falsch eingeschätzt: Es fand sich einfach kein notwendiger Co-Partner. So richtig überraschend war das übrigens nicht.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Infantinos Mega-WM mit 48 Teilnehmern wird nun eben 2026 in Kanada, Mexiko und USA ihre Premiere haben. Allerdings besteht immer noch Hoffnung, dass die Expansionspolitik des FIFA-Präsidenten nicht in jeder Hinsicht so vorankommt, wie er sich das wünscht. So ist die Reform der Club-WM mit 24 statt sieben Teams zwar vom FIFA-Council zu Infantinos großer Freude abgesegnet worden. Die europäischen Topclubs aber können sich nach wie vor nicht damit anfreunden. Ebenso stößt die geplante Welt-Liga für Nationalteams in Europa auf geharnischte Ablehnung. Es deutet einiges darauf hin, dass die UEFA auf Konfrontationskurs geht. Gut denkbar also, dass Infantino weitere Niederlagen drohen.

Armin.Gibis@ovb.net

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