Keine Mega-WM: Infantino stolpert über die Weltpolitik

von Redaktion

VON PIRMIN CLOSSE

Zürich/Frankfurt – Im Moment der unerwarteten Niederlage blieb Gianni Infantino stumm. Nachdem die von ihm anvisierte Aufstockung der Winter-WM 2022 in Katar überraschend vorzeitig geplatzt war, gab es dazu kein Statement vom FIFA-Präsidenten. Stattdessen veröffentlichte der Fußball-Weltverband lediglich eine knappe Mitteilung, in der bestätigt wurde, dass die vorgezogene Mega-WM schon vor dem FIFA-Kongress am 5. Juni in Paris vom Tisch ist.

Mit der Ausweitung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Teams für die WM 2026 wollte Infantino (49) ein Wahlversprechen an die vielen kleineren Verbände einlösen. Dazu boxte er Anfang März erfolgreich die Reform der Club-WM durch. Das offizielle Ende der Pläne für Katar ist für den FIFA-Chef nun eine schmerzliche persönliche Niederlage. Schließlich hatte er das Vorhaben zur Chefsache gemacht. Noch im Dezember sah er eine „Mehrheit“ für seine Pläne, sprach im Januar davon, „Ideen und Träume“ zu haben, zeigte sich im Februar noch immer „optimistisch“ und präsentierte im März stolz die positiven Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie.

Doch letztlich stolperte Infantino über die Weltpolitik. Die Suche nach dem zwingend notwendigen Co-Gastgeber gestaltete sich aufgrund der komplexen politischen Verhältnisse in der Golfregion zu schwierig. Eine Staatengruppe unter Führung Saudi-Arabiens boykottiert Katar seit 2017 politisch und wirtschaftlich. Lediglich Kuwait und der Oman waren als Mit-Ausrichter denkbar, wobei der Oman bereits abgewunken hatte.

„Nach einem gründlichen und umfassenden Konsultationsprozess unter Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen wurde der Schluss gezogen, dass unter den derzeitigen Umständen ein solcher Vorschlag nicht umgesetzt werden kann“, hieß es nun in der FIFA-Mitteilung: „Es wird kein Vorschlag für den nächsten FIFA-Kongress am 5. Juni eingereicht.“

Viele Experten hatten den FIFA-Boss wiederholt davor gewarnt, die Situation am Persischen Golf zu unterschätzen. Auch WM-Gastgeber Katar schlug zuletzt deutlich vorsichtigere Töne an und betonte, dass die Entscheidung nicht zum Alleingang der FIFA werden könne. Nun bekam Infantino seine Grenzen aufgezeigt.  sid

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