München – Statt Neues zu versuchen, hat Bundestrainer Joachim Löw lieber wieder Jonas Hector als zweiten Linksverteidiger für die anstehenden Länderspiele nominiert. Der Augsburger Philipp Max wartet also weiter auf seine erste DFB-Nominierung. Der 25 Jahre alte Abwehrspieler sprach über seinen Vater, den Ex-Löwen Martin Max und die Katastrophen-Saison mit dem FC Augsburg.
Seit Sonntag ist die Nationalmannschaft wieder zusammen. Sie warten nach wie vor auf Ihre erste Länderspiel-Nominierung. Ihrem Vater Martin erging es zu seiner Zeit ähnlich. Er hat erst mit 33 Jahren debütiert. Schon mal einen väterlichen Rat in Sachen Wartezeit eingeholt?
Als mein Papa 2000 und 2002 Torschützenkönig wurde, war ich sechs und acht Jahre alt. So richtig bewusst habe ich das nicht mitbekommen. Heute weiß ich natürlich, dass nach den Torjäger-Kanonen ganz Fußball-Deutschland darauf gewartet hat, wann er denn endlich für die Nationalmannschaft nominiert wird. Als nicht ganz Unparteiischer sage ich: mein Papa hätte noch mehr Spiele für Deutschland verdient gehabt. Und ich hätte ihn auch für die WM 2002 nominiert. Aber wie sich das damals so ganz genau für ihn angefühlt hat, darüber haben wir uns noch nie unterhalten.
Warum nicht?
Ich versuche, immer wieder besser zu werden und mich so für höhere Aufgaben zu empfehlen. Klar ist es mein Traum, irgendwann bei der Nationalmannschaft dabei zu sein, das habe ich immer gesagt. Allerdings setze ich mir keine Frist oder setze mich unter Druck. Das würde mich nur in meiner Leistung hemmen. Deshalb muss ich darüber auch nicht vertieft mit meinem Papa sprechen.
Das hört sich recht entspannt an.
Mittlerweile schon, ja. Klar: Am Anfang, als ich diese gute Hinrunde in der Saison 2017/2018 gespielt habe, habe ich schon immer mit einem Auge in Richtung DFB geschielt. Ich versuche jetzt einfach, jedes Wochenende mein Bestes zu geben. Alles andere kann ich ohnehin nicht beeinflussen.
Wie lautet eigentlich Ihr Saison-Fazit? Augsburg hat nur 32 Punkte geholt.
So wenig wie noch nie seit der FCA in der Bundesliga ist. Wir müssen die Saison ganz schnell aus den Köpfen bekommen. Es gibt nur eine einzige Sache, die wir aus dieser Saison lernen können. Mein früherer Trainer Norbert Elgert hat uns immer und immer wieder folgende Lektion eingebläut: ‚Wer erfolgreich sein will, muss lernen, Rückschläge, Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden. Der muss es begreifen, dass man zwangsläufig ganz häufig hinfällt. Und dass man es nur schafft, wenn man die Bereitschaft entwickelt, noch häufiger aufzustehen.’ Wir sind dieses Jahr heftig auf die Schnauze gefallen und müssen nun beweisen, dass wir eine hohe Widerstandsfähigkeit haben und eben wieder aufstehen.
Wenn Sie schon von Elgert sprechen. Sie haben ihn mal als Meister der Psychologie bezeichnet. War dies der im April entlassene Manuel Baum nicht?
Das kann man so nicht behaupten. Man kann Norbert Elgert und Manuel Baum auch nicht miteinander vergleichen. Das sind zwei komplett andere Typen. Auch Manuel Baum hat einen großen Teil zu meiner Entwicklung beigetragen. Er hat, was ich eine tolle Geste fand, allen Spielern zum Abschied das Buch „The Big Five for Life – Was wirklich zählt im Leben“ geschenkt. Bei mir hat er hineingeschrieben, dass er sich bedankt für die schöne und intensive Zeit und was ich für eine unglaubliche Entwicklung genommen habe. Außerdem, dass ich klar im Kopf bleiben solle und so alle meine Ziele erreichen werde.
Was meint Baum mit „Bleib klar im Kopf“?
Das müssten Sie eigentlich ihn fragen. Ich kann mir nur denken was er meint.
Nämlich?
Manuel Baum weiß auch, dass es ein paar Themen zwischen mir und Augsburg gibt, über die ich mir viele Gedanken mache. Das ist eine interne Angelegenheiten, über die wir in den nächsten Wochen Gespräche führen werden.
Geht es um einen möglichen Wechsel?
Noch einmal: das ist intern! Damit Sie aber etwas nachvollziehen können, was ich meine: mir wurde seit 2015 immer von Vereinsseite gesagt, dass der FCA für mich ein Sprungbrett sei…
Interview: Manuel Bonke