München – Was ihre Einsatzchancen bei der WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) angeht, ist Leonie Maier Realistin. „Ich werde wahrscheinlich nicht so viel spielen“, erklärte die Rechtsverteidigerin des FC Bayern München. Die Goldmedaillengewinnerin von Rio de Janeiro 2016 war eine Wackelkandidatin, nach eigener Auskunft entschied sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg erst zwei Tage vor der Kadernominierung für die 26-Jährige und gegen Konkurrentin Felicitas Rauch vom VfL Wolfsburg.
Die aktuelle Form, flexible Einsetzbarkeit, Charakter und Teamgeist seien bei der Nominierung entscheidend gewesen, sagte Voss-Tecklenburg. Und vor allem die letzten beiden Punkte könnten für Maier gesprochen haben. „Ich will mich so gut wie möglich in die Mannschaft einbringen und den jungen Spielerinnen mit meiner Erfahrung helfen. Ich will von außen die Mannschaft pushen und alle unterstützen“, stellte Maier im Trainingslager der DFB-Frauen in Grassau klar.
Derzeit sieht es aus, als ob die erst 19-jährige Giulia Gwinn als Rechtsverteidigerin in die WM starten darf. Maier bliebe der Platz auf der Bank, trotz der Erfahrung von 69 Länderspielen. Auch beim FC Bayern könnte Gwinn Maiers Platz einnehmen, denn die Freiburgerin wechselt nach München, während Maier vor dem letzten Bundesliga-Heimspiel verabschiedet wurde. Seit Freitag ist nun auch bekannt, wo die Abwehrspielerin ihre Karriere fortsetzen wird. Der FC Arsenal gab die Verpflichtung Maiers bekannt, nach Torhüterin Manuela Zinsberger und Mittelfeldspielerin Jill Roord ist sie die dritte Akteurin, die aus München zu dem Londoner Klub wechselt. Was sicherlich kein Zufall ist, denn Frauen-Fußball befindet sich in England im Aufwind, der Fußballverband FA fördert die Women‘s Super League massiv. Das Londoner Derby zwischen Arsenal und Chelsea verfolgten im vergangenen Jahr 45 000 Zuschauer – Zahlen, von denen die Frauen-Bundesliga aktuell nur träumen kann.
In England nutzen die Frauen-Mannschaften die gleichen Trainingsanlagen wie die Männer, gemeinsame Heimspiele werden aufeinander abgestimmt. Auch die Verdienstmöglichkeiten für weibliche Profis dürften besser sein als hierzulande. „Es war immer mein Traum, irgendwann im Ausland zu spielen, die Liga hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Es ist eine große Ehre, für Arsenal zu spielen“, sagte Maier anlässlich ihrer Vorstellung.
In die WM wird Maier aber noch als Spielerin des FC Bayern gehen, für den sie seit 2013 auflief und mit dem sie zwei Deutsche Meisterschaften gewann. Sie gehört zu einem Block von sieben Bayern-Spielerinnen, gesetzt sind bei Voss-Tecklenburg aktuell aber nur Melanie Leupolz und Sara Däbritz.
Vor allem in der Abwehr scheint die Bundestrainerin, die erst seit November im Amt ist, ihre Stammbesetzung aber noch nicht gefunden zu haben. Deshalb dürfen sich Verena Schweers, Kathrin Hendrich und Maier, die allesamt bei der Generalprobe gegen Chile (2:0) nicht zum Einsatz kamen, durchaus noch Hoffnung machen. Die WM ist schließlich lang. „Ich werde mich immer im Training anbieten und wenn ich Einsatzzeit bekomme, alles geben“, versprach Leonie Maier. Eine echte Teamplayerin eben.