München – In den Schlussminuten waren die Playoffs endgültig auch in München angekommen. Die 5393 Zuschauer im Audi Dome erhoben sich von ihren Sitzen. Und beklatschten, was die Basketballer des FC Bayern und Herausforderer Rasta Vechta zu bieten hatten. Am Ende stand ein 98:88 für den Titelverteidiger. In dessen Reihen man allerdings ahnte: Der neuerliche Weg ins Finale könnte noch ein steiniger werden.
Selten in dieser Saison war ein nationaler Gegner den Bayern im Audi Dome so nahe gekommen. Selten hatte das Team von Trainer Dejan Radonjic bis zur Schlusssirene auf dem Gaspedal bleiben müssen. Der alles überragende Vladimir Lucic (24 Punkte) fand es nicht überraschend: „Sie haben Bamberg deutlich geschlagen“, sagte er, „es war klar, dass das eine harte Serie wird.“
Und die geht schon heute weiter, um 20.30 Uhr sehen sich beide Teams in Niedersachsen wieder. Und die Beteiligten ahnen: In diesem Schlüsselspiel um Ausgleich oder Matchball dürfte es noch hitziger zugehen als im ersten Duell. Auch wenn zumindest Lucic offenbar noch nicht ganz klar ist, wohin es ihn und seine Bayern da verschlägt: „Die ganze Stadt, der Ort oder Dorf oder was auch immer das ist, steht jetzt hinter denen.“
Immerhin: Dann wird nach Lage der Dinge auch Derrick Williams wieder mitmachen. Der US-Forward hatte das nach seiner Wadenblessur schon beim Auftakt am Sonntag tun wollen. Doch nach ein paar Minuten kam Trainer Dejan Radonjic von der Idee wieder ab. Das klingt ein bisschen nach einem selbst gemachten Problem. Zumindest war es schon knifflig, weil Radonjic ja bereits Braydon Hobbs als siebten Ausländer für dieses erste Halbfinale aussortiert hatte. Statt einem Profi fehlten ihm also kurzerhand zwei. In einem Spiel, in dem man die überlegenen Kräfte als entscheidendes Argument hatte ausspielen wollen.
Aber die Sache ging ja gut, die Bayern bewiesen sich selbst einmal mehr, dass ihr Kader auch solche Umstände wegstecken kann. Vor allem, weil man vielseitige Spieler an Bord hat. Spieler wie Nihad Djedovic eben. Der Deutsch-Bosnier galt viele Jahre ja als reiner Punktesammler. Am Sonntag beschied er sich mit überschaubaren sechs Wurfversuchen. Darunter allerdings auch der Dreier, der kurz vor Schluss alle Vechtaer Hoffnungen zunichte machte. Ansonsten gab er den allgegenwärtigen Bewacher für T.J. Bray. Der Kreativgeist des Aufsteigers, über den zuletzt heftig als potenzieller Bayern-Kandidat spekuliert wurde, spielte trotz 14 Punkten und sieben Assists längst nicht die alles überstrahlende Rolle wie noch im Viertelfinale gegen Bamberg.
Und vorne hatte man neben Lucic ja auch noch Center Devin Booker, der sich vor allem in jener Phase besonders wohlfühlte, in der Vechtas Trainer-Senkrechtstarter Pedro Calles sein Heil in einer kleineren Aufstellung suchte um den Druck auf die zeitweise um 16 Punkte enteilten Gastgeber zu erhöhen. Seine 21 Zähler garnierte Booker mit neun Rebounds. Im Münchner Lager wird man es gerne sehen, dass sich der lange verletzte US-Amerikaner gerade in der wichtigsten Saisonphase zu seiner absoluten Topform aufschwingt.
In den Playoffs eben. Die am Sonntag auch im Audi Dome so eindrucksvoll angekommen sind.