Infantino vor Wiederwahl

Möge der DFB mit Nein stimmen

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Der FIFA-Kongress, auf dem im Winter 2016 über die Nachfolge von Sepp Blatter entschieden wurde, war höchst unterhaltsam. Mit mehreren Kandidaten, die sich vorstellten wie in einer Castingshow. Der chancenloseste war nicht nur vom Namen her – Tokyo Sexwale – der lustigste, am Ende gab es eine Kampfabstimmung zwischen Scheich Salman aus Bahrain und Gianni Infantino. Salman wurde in der Boulevardpresse als „Folter-Scheich“ bezeichnet, vor dem Zürcher Hallenstadion verkündeten flugs angeheuerte afrikanische Tagelöhner auf Plakaten aber, er sei „The Best“ und ein großer Menschenfreund. Infantino kannte man bis dahin nur als Losfee der UEFA, er gewann die FIFA-Wahl. Was aber nur eine Überraschung war für diejenigen, die die Strippenzieherei im Weltverband nicht einschätzen konnten. Eine Bombendrohung samt Saalräumung gab es auch noch – es war also was geboten vor gut drei Jahren.

Die Wahl 2019 – morgen – wird unspektakulär sein. Infantino hat sich Blatter-Status erschlichen, obwohl alles anders werden und der FIFA-Repräsentant kein Macher, sondern nur noch Repräsentant sein sollte. Infantino regiert noch dreister, als Vorgänger Sepp Blatter es jemals getan hat. Er kombiniert alte Methoden – sammle das Stimmvolk aus den kleinen Verbänden um dich, lasse ihnen über Entwicklungsprogramme und durch immer größer werdende Turniere Gutes zukommen – mit neuer Raffinesse, indem er die Kontrollgremien so besetzt, dass sie ihm gewogen sind und alles absegnen. Unter dem Deckmantel, der perfekte Demokrat zu sein („One country – one vote“), hat Infantino die perfekte Autokratie errichtet. Er wird keinen Gegenkandidaten haben, die Wahl wird zur Krönungsmesse geraten.

Ein bisschen Spannung aber dürfte aufkommen: Wie verhalten sich die kritischen UEFA-Mitgliedsverbände? Wie der DFB? Offensichtlich plant die deutsche Delegation nicht, ihre Stimme gegen das Infantino-Regime zu erheben. Weil’s ja eh nichts nützen und nur für diplomatische Verstimmung sorgen würde oder man, wie Ex-DFB-Boss Reinhard Grindel zu sagen pflegte, „nicht den Lauten machen“ wolle. Ein Durchwinken indes wäre ein schwaches Zeichen. Weil es schon ein Zeichen sein kann, wenn ein führender Verband das Harmoniespiel nicht mitträgt. Und wenn prominente Hände unter allgemeinem Raunen zum Nein nach oben gehen, wäre es zumindest ein bisschen unterhaltsam.

Guenter.Klein@ovb.net

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