Ohne großes Zittern ins Viertelfinale

von Redaktion

FRENCH OPEN Zverev schlägt Fognini und trifft nun auf Djokovic – Struff unterliegt dem Serben

VON DORIS HENKEL

Paris – Nach diversen Umwegen auf holprigem Terrain in der ersten Woche des Turniers – und damit ist nicht der rote Sand im Stade Roland Garros gemeint – startete Alexander Zverev gestern deutlich solider in die zweite. Beim Sieg in knapp drei Stunden gegen Fabio Fognini aus Italien (3:6, 6:2, 6:2, 7:6) hatte er die Sache nach dem verlorenen ersten Satz bald recht souverän im Griff; er schenkte sich und seinem Team auf der Tribüne einen vergleichsweise zitterfreien Nachmittag und landete damit zum zweiten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Bei der Premiere vor einem Jahr steckten ihm die Anstrengungen von drei Fünfsatzspielen in den langen Beinen. Die Sache ging nicht gut für ihn aus, als er dann ohne Chance gegen den Österreicher Dominic Thiem verlor. Die Aussicht, dass es ihm beim zweiten Versuch auf dieser Ebene besser gehen wird, ist einerseits nicht schlecht. Beim gestrigen Sieg gegen Fognini brauchte er eine Dreiviertelstunde, um in Schwung zu kommen. Am Anfang fluchten beide – der eine russisch, der andere italienisch –, doch Zverev beruhigte sich eher. Und danach bog er in eine Umlaufbahn ein, die die ihn vergleichsweise sicher zum Matchball trug.

Er spielte deutlich konsequenter als bei seinen Siegen in den Runden eins und drei, auch variabler, während Fognini nur zeitweise an jenen Mann erinnerte, der von ein paar Wochen beim Turnier in Monte Carlo gegen Rafael Nadal gewonnen und sich später den bisher größten Titel seiner Karriere geschnappt hatte. Die Bedingungen auf dem Court Suzanne Lenglen verbesserten sich im Laufe der Partie, die unter grauem Himmel begonnen hatte, später kam die Sonne raus, und auch die zu Beginn recht gedämpfte Stimmung auf den Rängen stieg. Die vorletzte Gefahr wehrte Zverev beim Stand von 4:4 im vierten Satz bei einem Breakball für Fognini mit einem Rückhandschuss der Linie entlang ab, bei der letzten im nächsten Aufschlagspiel befreite er sich aus ähnlicher Gefahr, und zehn Minuten später klappte er das Buch dieses Spiels beim dritten Matchball entschlossen zu.

Im Interview auf dem Platz mit der französischen Wimbledonsiegerin Marion Bartoli bedankte sich der sichtlich zufriedene Sieger noch mal bei Rainer Schüttler, der ja nicht nur Angelique Kerbers Coach, sondern auch Direktor des Turniers in Genf ist, das Zverev vor zehn Tagen gewonnen hatte. Kurz vor dem Ende der Einschreibefrist hatte Schüttler ihn angerufen und gefragt, ob er nicht in der Schweiz spielen wolle, und seit diesem Angebot geht es voran. Nach einer ganzen Sammlung von Problemen in den vergangenen Monaten kann man das Erreichen des Viertelfinales in jedem Fall erst mal so stehen lassen.

Wie es nun um Alexander Zverevs Chancen morgen im Viertelfinale gegen Novak Djokovic steht? Einerseits nicht schlecht, gemessen an den bisherigen Begegnungen der beiden mit einer Bilanz von 2:2. Vor gut zwei Jahren hatte er das Finale des Masters-1000-Turniers in Rom gegen den Serben gewonnen, noch wichtiger war der Sieg im November im Spiel um den Titel bei den ATP Finals in London. Andererseits sollte man aber besser nicht übersehen, wie gut Djokovic dieser Tage in Paris in Form ist. Beim gestrigen Sieg gegen Jan-Lennard Struff (6:3, 6:2, 6:2) gab er ab Mitte des ersten Satzes Gas. Er selbst habe wie geplant offensiv begonnen, berichtete Struff hinterher, aber nach dem ersten Aufschlagverlust habe er defensiver gespielt, um Fehler zu vermeiden, und das sei sicher nicht richtig gewesen. „Ich bin sehr enttäuscht, wie es dann gelaufen ist; ich war chancenlos, und er war Klassen besser, das muss man einfach anerkennen.“

Wie auf Schienen erreichte Djokovic mit dem Tempo und der Präzision eines TGV-Zuges das Viertelfinale – zum zehnten Mal in zehn Jahren. In vier Spielen verlor er keinen einzigen Satz – wie der Kollege Federer. Nadal, der einen Satz verlor, wurde zur Feier seines 33. Geburtstages mit Torte verwöhnt. Gelegenheit, die Kalorien zu verbrennen, bietet sich heute im Spiel gegen Kei Nishikori, und es gibt außer drüben in Japan nicht allzu viele Leute, die Nadal in dieser Begegnung als Favoriten sehen.

Artikel 2 von 11