Schnell und leidensfähig

von Redaktion

GIRO D’ITALIA Boras Spitzensprinter Pascal Ackermann bewies in den Bergen, dass er auf die Zähne beißen kann

Verona – Nachdem Pascal Ackermann die strapaziösen drei Wochen überstanden hatte, wollte er einfach nur weg. Nein, nicht etwa, weil der Giro d’Italia für den deutschen Meister so schrecklich verlaufen war, im Gegenteil. Ackermann sehnte sich nach Ruhe. „Ich mache erstmal ein bisschen Urlaub, weit weg, wo mich keiner kennt“, sagte der erschöpfte 25-Jährige, bevor er direkt von Verona aus in ein paar erholsame Tage reiste – ohne Umweg über seine pfälzische Heimat.

Ackermann ist während der 102. Italien-Rundfahrt zu einem viel beachteten Namen in der Szene geworden, natürlich wegen seines Triumphes in der Punktewertung um das Violette Trikot und seiner beiden Etappensiege – aber auch wegen seines Auftretens und Kampfgeistes. „Wenn einer mir gesagt hätte, es läuft so, dann hätte ich es nicht geglaubt. Es war ein geiler Giro“, erzählte Ackermann, nachdem er sich mit einer Pizza belohnt hatte.

Der Sprinter aus der Raublinger Mannschaft Bora-hansgrohe erlebte bei seiner ersten großen Landesrundfahrt ein breites emotionales Spektrum von Jubel über Schmerz bis hin zu Verzweiflung und tief empfundener Erleichterung. Was er auf der 3546,8 Kilometer langen Schleife zwischen Bologna und Verona lernte: „Dass man immer auf die Teamkollegen hören muss, nichts Unnötiges machen darf und viel schlafen muss.“

Ackermann startete traumhaft, gewann in Fucecchio gleich die zweite Etappe und kurz darauf in Terracina im strömenden Regen auch den fünften Abschnitt. Danach beschlossen er und sein Team, die Jagd auf das Maglia Ciclamino mit aller Konsequenz zu betreiben. Das funktionierte bis zu dem Hochgeschwindigkeitssturz im Finale der zehnten Etappe („mein schlimmster Moment“) planmäßig, dann wurde Ackermanns Leidensfähigkeit bis an die Grenze des Machbaren geprüft.

Auf dem Weg nach Antholz in den Südtiroler Bergen wäre Ackermann am liebsten vom Rad gestiegen. „Das war mein schlechtester Tag. Aber sie haben mich direkt zusammengeschrieen und angetrieben“, berichtete der Blondschopf. Sie, das waren vor allem seine treuen Helfer und Freunde Rüdiger Selig (Zwenkau) und Michael Schwarzmann (Kempten), die Ackermann auch beistanden, als die mentale Kraft erlahmte.

Daher war es regelrecht befreiend, als Ackermann am vergangenen Samstag („mein schönster Moment“) auch die letzten Dolomitenriesen bezwungen hatte. Dass er als erster Deutscher das Maglia Ciclamino mit nach Hause nahm, registrierte Ackermann dagegen eher achselzuckend. Auch ohne diese besondere Marke „wäre es das gleiche tolle Gefühl“.  sid

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