Rio de Janeiro – Probleme an Fuß und Knie, dazu Strafen wegen Pöbelattacken, nun auch noch Vergewaltigungsvorwürfe: Kurz vor dem Beginn der Copa América hat Neymar reichlich Ärger. Wie angespannt der brasilianische Stürmerstar ist, war zuletzt bei einer Trainingseinheit der Seleção zu sehen. Nachdem er von einem Nachwuchsspieler elegant getunnelt wurde, riss Neymar ihn am Leibchen zu Boden und zog verärgert von dannen.
Der Profi von Paris Saint-Germain war zuletzt immer wieder durch unsportliches Verhalten aufgefallen. Wegen einer Auseinandersetzung mit einem Fan beim verlorenen Pokalfinale wurde Neymar für drei Spiele gesperrt. Nach seiner Verbalattacke gegen den Schiedsrichter im Achtelfinale der Champions League erhielt er zudem eine Sperre für drei Europapokal-Spiele.
Wegen seiner Ausfälle soll sogar seine Nominierung für die am 14. Juni beginnende Copa América auf der Kippe gestanden haben. Letztlich wollte Nationaltrainer Tite bei dem Turnier im eigenen Land aber nicht auf Neymar verzichten. Allerdings reichte er die Kapitänsbinde an Dani Alves weiter. „Ich glaube, es ist gut für ihn, nicht der Kapitän zu sein“, sagte der ehemalige brasilianische Nationalspieler Gilberto Silva kürzlich im Interview der spanischen Sportzeitung „AS“. „Das nimmt ein bisschen den Druck von ihm..“
Weitaus schwerer als sein Ärger mit Fans und Schiedsrichtern wiegen die Vorwürfe, die zuletzt eine junge Brasilianerin erhob. Die Frau wirft Neymar vor, sie Mitte Mai in einem Hotel in Paris in angetrunkenem Zustand und „mit Anwendung von Gewalt“ zum Sex gezwungen zu haben. Neymar räumt den Kontakt zu der Frau ein, weist den Vergewaltigungsvorwurf allerdings zurück. Als Beweis für seine Unschuld veröffentlichte er zunächst den Chat-Verlauf mit der Frau, der unter anderem freizügige Fotos und intime Gespräche enthält.
Neben dem Hauptvorwurf der Vergewaltigung droht ihm deshalb nun Ärger wegen Verletzung der Privatsphäre. Laut einem Bericht des Fernsehsenders Globo TV suchten Polizeibeamte den Stürmerstar am Montag im Trainingslager in Teresópolis auf und luden ihn zu einer Vernehmung vor. Neymar solle seine Aussage voraussichtlich in der kommenden Woche in Rio de Janeiro machen. Der brasilianische Fußballverband (CBF) bat die Behörden, die Vernehmung bis nach der Copa América zu verschieben, wie das Medienportal UOL berichtete.
Die Affäre wird nun immer konfuser. Wie Globo berichtete, haben die Anwälte des vermeintlichen Opfers die Zusammenarbeit aufgrund widersprüchlicher Aussagen der jungen Frau beendet. Der Sender zitierte aus einem Schreiben der Kanzlei Fernandes e Abreu. Demnach habe die Mandantin zunächst angegeben, eine Beziehung mit dem Stürmerstar zu führen. Dieser sei jedoch später gewalttätig geworden und habe sie körperlich angegriffen. Bei der Polizei habe die Frau jedoch eindeutig von Vergewaltigung gesprochen, was eine vollkommen andere Behauptung sei.
Nicht gerade die besten Startvoraussetzungen für die Copa América, bei der die Fans von der Selecao einen Triumph erwarten. Tite setzt dabei auf seinen Ausnahmestürmer. „Technisch gesehen ist Neymar unverzichtbar“, sagte der Coach. Gleichzeitig machte er aber klar, dass er auch von seinem Superstar eiserne Disziplin erwartet: „Die Seleção steht über uns allen, und wir alle müssen unser Bestes geben.“ dpa/sid