Vechta – Man hatte in Vechta ja nichts unversucht gelassen um die Geschichte vom aufmüpfigen Provinzteam, das dem Establishment den Kampf ansagt am Leben zu halten. Schon lange vor dem Anwurf war ordentlich Dampf auf dem Kessel des Rasta schmucken Rasta Domes. Doch es halt nichts, weil man diesmal mit dem FC Bayern einen Gegner vor sich hatte, der nicht viel übrig hatte für die niedersächsische Cinderella-Story.
89:71 (44:38) setzten sich die Münchner am Ende in einem zunehmend abgekühlten Rasta-Dome durch. Und wer in die Gesichter der Fans in Orange blickte, der konnte sehen: Der Glaube ist nicht groß, dass diese Halbfinalserie am kommenden Dienstag noch einmal nach Vechta zurückkehrt. Mit einem 2:0 in der Serie nach dem Modus best of five kehrt der FC Bayern nach München zurück. Schon am Samstag (20.30 Uhr) kann er den Platz im Finale eintüten.
Man musste nicht lange warten, um zu sehen, wie sich Vechtas Trainer-Aufsteiger Pedro Calles die Revanche gegen den FC Bayern so vorgestellt hatte. Ungefähr so nämlich, wie man den Titelverteidiger schon zum Halbfinalauftakt in München schwer gequält hatte: Mit viel Hurra. Vechta wuselte, Vechta kämpfte. Rasta-Style nennt man das mittlerweile gerne.
So etwas hat auch mal seine Tücken. Manchmal neigen die Niedersachsen dazu, auch ein bisschen zu überdrehen. Das gilt auch für den unbestrittenen Basketball-Regenten der Niedersächsischen Kreisstadt. Für T.J. Bray nämlich. Der US-Amerikaner, den die Gerüchteküche hartnäckig auf die Wunschliste des FC Bayern dichtet, war mit 15 Punkten zwar durchaus treffsicher. Doch Bray leistete sich wie das gesamte Team immer wieder schmerzhafte Abspielfehler und Ballverluste. Schwer zu verkraften. Zumal gegen ein Bayernteam, das sich von der hitzigen Atmosphäre weit weniger beeindrucken ließ als noch in der Hauptrunde im März, als man mit 75:93 unter die Räder gekommen war.
Das Team von Trainer Dejan Radonjic hatte immer wieder gute Argumente, vor allem dann, wenn Vechta wieder Tuchfühlung aufnahm. Rückkehrer Derrick Williams war diesmal keines davon. Dafür traten Maodo Lo und vor allem Nihad Djedovic in den Vordergrund. Der Deutsch-Bosnier hatte sich im ersten Spiel ja noch weitgehend auf die Rolle als Vechtaer Defensiv-Ärgernis beschränkt. Diesmal brachte er sich auf beiden Seiten ein. 13 Punkte steuerte er bei – ein starker Auftritt des Münchner Rekordspielers.
Was blieb dem Aufsteiger? Pedro Calles versuchte es mit taktischen Varianten und traktierte die Bayern mit stetig wechselnden Defensivvarianten. Doch anders als noch am Sonntag, als Vechta so binnen von fünf Minuten 16 Punkte wettmachte, verpuffte der Effekt diesmal schnell. Weil Rasta Konzentration und das absolute Wurfglück fehlten. Aber auch weil die Bayern unbeeindruckt den Ball rotieren ließen und ziemlich kühl die Chancen nutzten, die sich boten. Ein 17:0-Lauf zu Beginn des Schlussviertels machte den nie gefährdeten Sieg perfekt.