Wie Ketchup mit Weißwürscht

von Redaktion

Die neue Bayern-Hymne

Wir hören die neue Bayern-Hymne an und sind berauscht. Aber nicht jeder Rausch ist schön. Wir sind berauscht wie nach einem Eimer Billig-Sangria auf Malle, der Strohhalm verstopft uns die Luftröhre, der Würgreiz wird fast übermächtig, und wir freuen uns, dass nach dreieinhalb Minuten die Stille nach der Klang-Blutgrätsche eintritt. Mia san mia heißt das grad veröffentlichte Stück Unglück. Zum Glück hingegen ist die „Message“ (früher hätte man Aussage gesagt, aber mia san so internäschionäl wie der Song) leicht mitzusingen: Sie lautet, das werden Sie jetzt nicht glauben, „Mia san mia“ und umfasst zwei Töne. „Mia“ auf der Quinte, „san“ einen Halbton höher, „mia“, wieder einen halben runter zur Quinte. Ham S’ mi?

Unklarer wird es bei den Strophen, denn da werden wir, obacht, erstens internäschionäl und zweitens schnell. Internäschionäl, weil die Strophen nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Spanisch, Französisch über das Noten-Spielfeld hetzen und fetzen. In einem Tempo, bei dem selbst ein Turbomann wie Kingsley Coman vor Neid erblassen dürfte. Hier wird gerappt, dass einem schwindlig wird. Also zurücklehnen und warten, bis „Mia san mia“ erklingt. Das übernimmt weitgehend eine Retortenstimmenpiepsmaus, wie man sie aus Dutzenden Reißbrett-Stampfern kennt. Soll wohl lasziv und ein bisserl verrucht klingen. Die Reißbrettstimmenfrau schüttet uns endgültig das Kraut aus, wenn es an die Textzeile „Stern des Südens im hellen Lichte“ geht. Weil es sonst rhythmisch nicht aufgeht, betont sie „Stern des SüDENs“, was Musikfreunde ungefähr so schmerzt wie den FCB-Fan der Schweini-Elfer im heimischen Finale gegen Chelsea.

Fazit: Bevor man „Stern des SüDENS im hellen Lichte“ serviert, sollte man erst einmal metrische Innenristpässe über 15 Meter üben statt mit Außenrist-Steilpässen hantieren. Wir greifen zum imaginären Sangria-Eimer. Der Song erinnert an Ballermann, an Strand, an gute Lilalaune und hat mit Bayern, München oder gar Liebe zum Verein so viel zu tun wie Ketchup mit Weißwürscht. Wenn das der FC Bayern sein soll, wie er sich darstellen will, dann brauchen wir dringend einen neuen Verein. Aber das denke ich mir schon lange. Zenzi, bring ma no an Eimer Sangria, bittschee! MATTHIAS BIBER

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