Stockholm – Der europäische Fußball trauert um Lennart Johansson: Der schwedische Ehrenpräsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ist am Dienstagabend nach kurzer Krankheit im Alter von 89 Jahren gestorben.
„Die Nachricht vom Tod von Lennart Johansson bricht mir das Herz. Er war ein Freund und eine Quelle der Weisheit und Inspiration“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino auf dem Kongress des Weltverbandes in Paris, wo auch eine Schweigeminute für den langjährigen Spitzenfunktionär abgehalten wurde: „Ich werde immer dankbar dafür sein, dass er UEFA-Präsident war, als ich im Jahr 2000 zum Verband gestoßen bin. Seit dieser Zeit war Lennart immer ein Vorbild hinsichtlich Professionalität und – was noch wichtiger ist – ein Vorbild hinsichtlich Menschlichkeit.“
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin betonte in einer Mitteilung: „Er liebte den Fußball und hat diesem gedient. Er wird immer als visionärer Führer und als Architekt der Champions League in Erinnerung bleiben.“
Auch der DFB brachte seine Trauer zum Ausdruck. „Der Tod von Lennart Johansson macht uns alle sehr betroffen. Mit ihm verliert der Fußball in Deutschland einen besonderen Freund und Förderer“, sagten die DFB-Interims-Präsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball laut einer Mitteilung des Verbandes.
Johansson führte von 1990 bis 2007 den europäischen Dachverband und war langjähriger Freund und Vertrauter von DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun. Zusammen gestalteten sie in dieser Zeit die UEFA, die unter Johansson unter anderem 1992 die Champions League einführte.
1998 in Paris bewarb sich der hünenhafte Schwede um den Posten des Präsidenten im Weltverband FIFA, scheiterte jedoch bei der Abstimmung am Schweizer Sepp Blatter, der vom Generalsekretär zum FIFA-Boss aufstieg.
In Düsseldorf erlitt Johansson am 26. Januar 2007 eine weitere Niederlage. Johansson, der 2005 das Große Bundesverdienstkreuz erhalten hatte und die deutsche Kandidatur für die WM 2006 im Hintergrund immer unterstützte, unterlag dem Franzosen Michel Platini mit 23:27 Stimmen. Johansson später: „Da war Verrat im Spiel.“
Mit seiner Bilanz in 17 Jahren war er dennoch zufrieden. Die Europameisterschaft wurde während seiner Amtszeit von acht auf 16 Teilnehmer aufgestockt. Der Europapokal der Pokalsieger wurde abgeschafft. Die Konsequenzen des Bosman-Urteils vom 15. Dezember 1995 mussten verkraftet werden (keine Ausländerbeschränkung, keine Transferzahlungen nach Vertragsende).
Seit einem Schlaganfall 2008 war Johansson gehbehindert, begab sich mehrmals pro Woche in die Reha. Von seiner Leidenschaft, dem Fischen, ließ er aber auch im hohen Alter nicht. sid