Patrouille an der Dreierlinie

von Redaktion

Die Bayern-Basketballer haben Matchball – weil sie Vechtas Schützen kontrollieren

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – Als die Spieluhr im ersten Viertel fast abgelaufen war, dribbelte Josh Young, der Kapitän von Rasta Vechta, mit dem Basketball doch recht gemütlich nach vorne. Der Weg zum Korb war noch weit, die Zeit eben knapp, vier Sekunden, höchstens. Dann, ungefähr zwei, drei Meter hinter der Mittellinie, blieb er plötzlich stehen und hielt es für eine gute Idee, den Ball aus großer Distanz auf den Korb zu werfen – und der Ball hielt es dann für eine gute Idee, genau in jenen Korb zu fallen. Die Sirene, die das Viertelende verkündet, lärmte, Young riss die Arme hoch, die Zuschauer in Vechta tobten. An diesem Dienstagabend aber konnte sich Vechta nicht einmal mit verrückten Dreipunktewürfen retten.

Als die Uhr im vierten Viertel abgelaufen und die Sirene ertönt war, jubelten nämlich die Basketballer des FC Bayern – über einen letztlich sehr deutlichen 89:71-Sieg, der ihnen den ersten Matchball bescherte. In der BBL-Halbfinalserie führen die Bayern nun 2:0. Am Samstag (20.30 Uhr) könnten sie sich in der eigenen Halle mit einem Sieg für die Finalserie qualifizieren. Es scheint gerade nämlich nicht so, als könnte Vechta noch eine Lösung finden. Denn München hat sich auf ihre Dreier eingestellt.

Wer im modernen Basketball gewinnen will, muss den Dreipunktewurf beherrschen. Das gilt in der NBA, in der Euroleague und auch in der BBL. Und obwohl sich die weltweit prägende Mannschaft der vergangenen Jahre, die NBA-Auswahl der Golden State Warriors, über den Dreipunktewurf definiert, ist er auch immer das Stilmittel der Außenseiter geblieben. Am Beispiel Vechtas kann man das erklären. Die Profis, die Körpergröße, Athletik und Ballgeschick vereinen, kosten meistens so viel Geld, dass kleine Vereine sie sich nicht leisten können. Es wundert daher nicht, dass bei Vechta, dem Bundesliga-Aufsteiger, von den fünf besten Scorern vier kleiner als zwei Meter sind. Wenn jeder Spieler auf dem Feld den Dreier beherrscht, müssen die Verteidiger ständig aufpassen.

Nun wäre es unfair, Vechta nur auf den Dreipunktewurf zu reduzieren. Ihr spanischer Trainer Pedro Calles hat ein komplexes Spielsystem etabliert, das auch in der Verteidigung hohen Ansprüchen genügt. Im Vergleich mit den Bayern und ihrem Euroleague-Kader aber ist Vechta auf den Distanzwurf angewiesen. Anders als die Bayern können sie aufgrund der Größennachteile nicht so leicht in der Zone unter dem Korb punkten. Dort haben die Bayern in den ersten beiden Halbfinalspielen 70 Punkte erzielt, Vechta nur 38.

Im ersten Duell hätte Vechta diesen Nachteil aber eben fast mit dem Dreipunktewurf ausgeglichen. 31 Mal feuerten sie aus der Distanz auf den Korb, 17 Mal trafen sie, ein fantastischer Wert. So holte Vechta einen 16-Punkte-Rückstand auf, führte im letzten Viertel sogar. An der Dreierlinie waren die Bayern nicht wachsam auf Patrouille.

Im zweiten Duell aber passten die Bayern ihre Verteidigung an. Vechta verfehlte den Dreier wesentlich häufiger (9/28) – den zwei besten Schützen, TJ Bray und Austin Hollins, gelang zusammen sogar nur ein Treffer aus der Distanz. „Ihre Größe und ihre Athletik sind ein Problem für uns“, sagte Bray. „Sie zermürben uns.“ Die verschärfte Patrouille wirkte

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