München – Die Spitze im internationalen Frauenfußball ist breiter geworden, wer die Anwärterinnen auf den WM-Titel in Frankreich sind, ist gar nicht so leicht zu sagen. „Vor ein paar Jahren hätte man zwei, drei Mannschaften nennen können. Jetzt könnte man bestimmt zehn aufzählen“, sagte Kathrin Hendrich, Verteidigerin des FC Bayern, im Trainingslager der DFB-Frauen. Wie eigentlich immer werden die USA und Schweden genannt, Gastgeber Frankreich will den Titel im eigenen Land holen. Spanien, England und Europameister Niederlande gelten als Geheimfavoriten, auch Brasilien und Japan wird einiges zugetraut. Und natürlich auch dem deutschen Team.
Dass die DFB-Frauen vor dem ersten Gruppenspiel gegen China am Samstag (15 Uhr/ARD) zum Favoritenkreis gehören, ist aber nicht so selbstverständlich wie noch vor Jahren. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2017 befindet sich die Mannschaft im Umbruch. Bundestrainerin Steffi Jones musste gehen, Horst Hrubesch übernahm als Interimstrainer und führte das Team zur WM. Im November wurde Hrubesch dann von Martina Voss-Tecklenburg abgelöst, für die die WM zur ersten Bewährungsprobe wird. In gerade einmal vier Spielen stand die Trainerin an der Seitenlinie, trotzdem scheint sie bereits einen guten Draht zur Mannschaft gefunden zu haben. „Es fühlt sich an, als ob wir schon länger zusammenarbeiten würden“, sagte Offensivspielerin Lina Magull (FC Bayern). „Ich habe das Gefühl, dass jede Spielerin voll hinter dem Trainerteam und deren Spielidee und Taktik steht.“
Als Ziel hat Voss-Tecklenburg die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 ausgegeben, dafür müssen die DFB-Frauen das WM-Turnier unter den besten drei europäischen Mannschaften beenden. Die Bundestrainerin selbst glaubt, dass dafür das Halbfinale nötig sein wird. Die Qualität dafür hat das deutsche Team sicherlich, allerdings ist die Mannschaft jung und noch recht unerfahren. Von den 23 Spielerinnen haben 15 noch nie bei einer WM-Endrunde gespielt, Spielerinnen wie Melanie Leupolz oder Sara Däbritz sollen jetzt im Alter von 25 beziehungsweise 24 Jahren die Mannschaft leiten.
Ein guter Auftakt gegen die technisch starken und schnellen Chinesinnen wäre jedenfalls wichtig für das Selbstbewusstsein des Teams, das Duell mit Spanien am Mittwoch drauf wird der erste echte Härtetest. Zum Abschluss der Gruppenphase wartet mit Südafrika dann ein schlagbarer Gegner. „Vielleicht können wir uns in so einen Flow spielen, den wir dann mit in die K.o.-Runde nehmen“, sagte Magull. Nach dem ersten WM-Wochenende wird man besser beurteilen können, wo das deutsche Team steht. Und wer denn nun tatsächlich zum Favoritenkreis gehört.