An Sendezeit fehlt es den weltbesten Fußballerinnen zumindest in den nächsten vier Wochen nicht. In Deutschland werden ARD und ZDF alle 52 Spiele der Weltmeisterschaft in Frankreich, die heute beginnt, live übertragen – entweder im Hauptprogramm oder halt im Stream. Manchmal aber kommt es nicht darauf an, ob etwas prominent übertragen wird (hier würden wohl fast alle anderen Sportarten protestieren), sondern wann. Das gilt auch im Fall der Frauen-WM: Am Sonntagabend, zur sogenannten Primetime, ist im Spielplan zum Beispiel kein Match vorgesehen. Um das zu erklären, muss man nicht lange suchen. Am Sonntagabend, um 20.45 Uhr, hat die UEFA eben schon das Männer-Finale der Nations League angesetzt. So ist das im Fußball: An einem Männer-Turnier, nur dafür geschaffen, um noch mehr Geld zu verdienen, kommt eine Frauen-WM einfach nicht vorbei.
Es mag viele langweilen, auch vor dieser WM wieder eine Gleichberechtigungsdebatte zu führen, aber genau wegen dieser Gleichgültigkeit muss man eben immer wieder darauf hinweisen. Am Beispiel der Spielansetzungen lässt sich das gut vorführen: Im Rahmenterminkalender für internationale Spiele, den die FIFA verantwortet, werden die Spieldaten der Männer vor denen der Frauen festgelegt, zuletzt sogar Jahre früher, wie die UEFA neulich der „taz“ bestätigte. So kann es sein, dass das Finale der Nations League jetzt die Frauen-WM torpediert. Und so kann es auch sein, dass das erste WM-Spiel der deutschen Fußballerinnen am Samstag mit dem EM-Qualispiel der deutschen Fußballer in Weißrussland kollidiert. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können ja mal raten, welches Spiel jetzt am Nachmittag zur Schwimmbadzeit stattfindet. Das Problem ist also ein strukturelles – und es hört natürlich nicht beim Rahmenterminkalender für internationale Fußballspiele auf.
Jetzt, da das WM-Turnier startet, sollte man im Sinne der Gleichberechtigung fortan aber auch sportliche (und gerne kritische) Fragen in den Mittelpunkt stellen. Wie weit ist der DFB mit seinem Umbruch in der Frauennationalmannschaft vorangekommen? Wie geeignet ist die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg für diese Aufgabe? Und hat Dzsenifer Marozsán, die deutsche Ausnahmespielerin, eigentlich ihre fantastische Form behalten?
Das wird zu klären sein. Davor gibt’s an dieser Stelle aber noch ein Beispiel aus dem europäischen Fußball, das belegt, wie das mit der Gleichberechtigung zumindest ein wenig klappen kann. Als die Fußballerinnen des FC Barcelona im Mai ins Finale der Champions League einzogen, verlegte der spanische Ligaverband LFP spontan die Anstoßzeiten der Erstligaspiele der Männer – damit alle Fans den Frauen aus Barcelona zusehen konnten.
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