Borissow – Igor Krijuschenko hängt sehr an seinem Schnäuzer, nie und nimmer würde er ihn freiwillig abrasieren. Das sollte man wissen, denn der Trainer der weißrussischen Nationalmannschaft hat vor dem EM-Qualifikationsspiel am Samstag gegen Deutschland tatsächlich angedeutet, seinen Oberlippenbart opfern zu wollen, sollte sein Team mindestens einen Punkt holen.
Ob das nun als Scherz gemeint war oder nicht – Krijuschenko wird sein Markenzeichen im Normalfall behalten dürfen. Die Weißrussen belegen in der FIFA-Weltrangliste den 81. Platz. Die ersten beiden EM-Qualifikationsspiele in den Niederlanden (0:4) und in Nordirland (1:2) hat das Team verloren. Und gegen Deutschland fehlt in Alexander Hleb der prominenteste und technisch noch immer beste Fußballer des Landes.
Hleb, inzwischen 38, ist seit seiner Vertragsauflösung beim weißrussischen Serienmeister Bate Borissow ohne Arbeitgeber. Wegen der ungeklärten Zukunft verzichtet Krijuschenko im ersten Heimspiel der EM-Qualifikation auf seinen Starspieler. Gut möglich, dass der frühere Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart und des VfL Wolfsburg, der auch für den FC Arsenal und Barcelona spielte, seine Karriere beendet.
Talente drängen sich im Zehn-Millionen-Einwohner-Land kaum auf. Auch die Leistungsträger Igor Schitow (32), Stanislau Drahun (31) und Michail Gordejtschuk (29) sind in die Jahre gekommen. „Wir müssen das Maximum geben, zu dem wir fähig sind“, sagte Krijuschenko mit Blick auf das ungleiche Duell gegen Deutschland. Hoffnung macht allein die Statistik: Beim bislang einzigen Aufeinandertreffen 2008 in Kaiserslautern trotzte Weißrussland der DFB-Auswahl ein 2:2 ab.
Über die Qualifikationsgruppe dürfte Weißrussland, das noch nie an einer EM- oder WM-Endrunde teilgenommen hat, kein Ticket für die Euro 2020 gewinnen. Doch über die Playoffs in der Nations League hat das Team als Gruppensieger der Liga D noch Chancen. Vielleicht ist ja dann der Schnäuzer des Nationaltrainers fällig. sid