Das Ende der Cinderella-Geschichte

von Redaktion

Rasta Vechta war das Überraschungsteam der Basketball-Bundesliga – doch die Zukunft ist nun ungewiss

VON PATRICK REICHELT

München – Nach der Schlusssirene war im Vechtaer Rasta-Dome ein Hauch von Abschied zu spüren. Die schwer geschlagenen Profis der Gastgeber trotteten über das Feld und applaudierten mit erhobenen Händen in Richtung Publikum. „Wir werden kämpfen, das haben wir das ganze Jahr über getan“, sagte Regisseur T.J. Bray. Doch wer in die Gesichter blickte, der konnte schon sehen: Das Selbstbewusstsein des unbeugsamen Aufsteigers war an diesem Abend jäh geschwunden. Und mit ihm der Glaube, dass diese Halbfinalserie gegen den FC Bayern am kommenden Dienstag noch einmal nach Niedersachsen zurückkehrt.

Alles andere als der dritte Sieg des Titelverteidigers beim Wiedersehen an diesem Samstag (20.30 Uhr) im Audi Dome wäre zumindest eine faustdicke Überraschung. Wenn es so kommt, dann endet die viel zitierte Cinderella-Story des erklärten Kultklubs ganz unromantisch. So wie derartige Geschichten meistens enden: mit einer Niederlage.

Und es braucht nicht viel Fantasie, um zu ahnen, dass es ein neues Kapitel der Geschichte so schnell nicht geben wird. Natürlich hat der bemerkenswerte Siegeszug des Aufsteigers auch Begehrlichkeiten geweckt. Die machen auch vor dem Architekten des Erfolges nicht halt. Vor Pedro Calles, dem spanischen Trainer des Jahres in der BBL. In der Vergangenheit wurde er schon als möglicher Erbe für seinen Landsmann Aito Garcia Reneses gehandelt. Die Zukunft des 72-jährigen Trainerveterans bei bei Alba Berlin ist offiziell weiter ungeklärt. Doch zuletzt machte das Gerücht die Runde, dass Ex-Champion Bamberg Calles gerne als Projektleiter für seine Verjüngungskur sehen würde.

Und nicht nur beim Trainer, auch bei den Vechtaer Leistungsträgern stehen die Interessenten offenbar schon Schlange. Allen voran bei den Topscorern Austin Hollins und Ideengeber T.J. Bray. Letzterer war bis jetzt in Italiens zweiter Liga, in Belgien und beim griechischen Mittelklasseklub Kolossos Rodou mäßig aufgefallen und ist nun einer der gefragtesten Spieler der Bundesliga.

Da wird es ein schwacher Trost für die niedersächsischen Verantwortlichen sein, dass derlei Probleme auch dem finanzkräftigeren Gegner nicht fremd sind. Die Diskussion um Ex-NBA-Profi Derrick Williams schwelt ja schon ein wenig länger. Der 28-Jährige hatte den Bayern-Fans in den vergangenen Wochen zwar immer wieder mit der ein oder anderen Liebeserklärung an München leise Hoffnung gemacht. Doch zuletzt gab es nicht mehr viel in diese Richtung. Ja, seine Mission sei es, der Mannschaft wieder zur Meisterschaft zu verhelfen und auf dem Weg dorthin seine Erfahrungen an die jüngeren Spieler weiterzugeben. Und die Zukunft nach der, in gut zwei Wochen beendeten, Saison? „Ist nicht mein Thema jetzt.“

Und wie die Dinge stehen, müssen die Bayern auch noch um den Verbleib eines zweiten Leistungsträgers der vergangenen Spielzeiten bangen. Vladimir Lucic, hat nicht zuletzt durch seine starke Saison in der Euroleague das Interesse der „derzeit“ noch größeren Adressen geweckt. Unter anderem soll Euroleague-Finalist Anadolu Istanbul sein Interesse angemeldet haben.

Doch: Es gibt ja auch die andere Richtung. So meldet der Branchendienst „sportando“, dass Bayern-Sportchef Daniele Baiesi in Verhandlungen mit dem italienischen Guard Diego Flaccadori steht, der zuletzt bei Aquila Trento aktiv war.

Artikel 1 von 11