Ob das die noch so junge und zarte Verbindung zwischen dem SC Paderborn 07 und RB Leipzig 09 aushält? Bundesliga-Aufsteiger Paderborn hat am Freitag stolz einen Werbedeal verkündet: Die Platin-Partnerschaft mit der MBG International Premium Brands GmbH wurde verlängert. Wem diese Firma nichts sagt (also allen): Sie stellt den Energydrink „Effect“ her. Kurzes Nachdenken, dann die Erkenntnis: Ist das nicht ein Affront gegenüber dem neuen Buddy, welcher ja nicht nur für den Rasenballsport steht, sondern auch für ein Getränk mit eben- diesen Initialen: RB? Philipp Köster, Chefredakteur des Red-Bull-kritischen Magazins „11 Freunde“, twitterte spontan: „Mintzlaff klingelt gerade in Paderborn durch und brüllt alle zusammen.“ Oliver Mintzlaff ist der Boss von RB Leipzig.
Es war der Vereinsfußballaufreger in dieser Woche: Dass zwei Clubs, die in einer Liga spielen, kooperieren. Eine heikle Sache schon deswegen, weil einer der beiden, der größere, derjenige ist, den die meisten Fans ablehnen. So war es denn auch in Paderborn. Die Widerstände gegen Leipzig sind so massiv, dass die Freude über den Sensationsaufstieg des netten SCP schon verflogen ist (ohne Flüüügel). Und grundsätzlich natürlich: Wie steht es um die Wettbewerbshygiene in einer Liga, die das duldet?
Klar: Der Fußball hat seine Graubereiche. Dazu gehören die Beteiligungen des Volkswagen-Konzerns an mittlerweile zu vielen Standorten. Auch München stand vor einer brisanten Konstellation mit zwei Vereinen, die darangingen, gemeinschaftlich ein Stadion zu betreiben und finanzieren – nur dass es nie dazu gekommen ist, dass Bayern und Sechziger in einer Liga spielten, als ihre Arena bezugsfertig war. Und bald war es ja auch nur noch das Eigenheim der Roten.
Kooperationen sind per se nicht unanständig, sondern in den meisten Fällen sinnvoll. Wenn es um die Entwicklung von jungen Spielern geht, kann die klassische Win-win-Situation entstehen. Nur ist es eben so, dass die beteiligten Vereine nicht in einer Liga spielen oder dass sie durch Ländergrenzen getrennt sind. Es mag ein großer Talente-Verschiebebahnhof sein, wenn Manchester City oder Red Bull auf mehreren Erdteilen Dependancen unterhalten – rein sportlich ist dagegen nichts einzuwenden. Aber Leipzig und das von ihm geförderte Paderborn zusammen in der Bundesliga – das hat ein Geschmäckle. Ein klebriges. Nicht nur vom Zucker in der Brause.
Doch ist Leipzig nun sauer auf Paderborn wegen des falschen Energydrink-Partners? Wohl nicht. „Effect“ ist laut dem SC Paderborn „in Deutschland „die klare Nummer zwei“. Also genau das, was die Nummer eins schlucken möchte.
Guenter.Klein@ovb.net