Was hätten die vier Rennkommissare von Montreal gemacht, wären sie im Alten Testament für den Kampf
David gegen Goliath zuständig gewesen? Sie hätten ganz sicher den tapferen David disqualifiziert, weil er gegen den übermächtigen Riesen eine Steinschleuder als Hilfsmittel benutzt hatte. Das Volk hätte gepfiffen, David die Strafe und damit die ganze Welt nicht mehr verstanden.
In Montreal war Sebastian Vettel mit seinem Ferrari der David – und beide hatten auf der Strecke den Goliath Lewis Hamilton mit seinem Mercedes geschlagen. In den sechs Saisonrennen vor dem Kanada-Grand-Prix war das noch keinem gelungen. Da waren immer die Goliaths von Mercedes vorne gewesen. Vettel fühlte sich in Montreal als Sieger, deshalb gingen ihm nach seiner Fünf-Sekunden-Strafe und dem „Sieg, den man mir gestohlen hat“ – das sagte er noch in der Auslaufrunde seinen Ferrari-Leuten – die Emotionen mit ihm durch.
Emotionen! Ist das nicht, was jeder sehen will? Sportler, die ihre Gefühle zeigen, die sich trauen anzuecken, die so sind wie ich und du? Umso befremdlicher ist es, dass ausgerechnet Christian Danner, der RTL-Experte und frühere Rennfahrer, kein Verständnis für Vettels Emotionen zeigte. Eine Reihe von ehemaligen Weltmeistern war da hingegen ganz anderer Meinung. Sie zeigten alle Verständnis für Vettel, aber keines für die Kommissare.
Für Nigel Mansell war die Entscheidung einfach nur „lächerlich.“ Für Jenson Button war die Strafe für den Ferrari-Star „unnötig“. Und Jacques Villeneuve schüttelte verständnislos den Kopf: „Vettel hatte keine Wahl, er hatte alle Hände voll zu tun, um das Auto auf der Straße zu halten. Lewis sah das, aber anstatt links zu fahren, wählte er die falsche Spur. Selbst Schuld.“
Villeneuve bringt es auf den Punkt. Die Formel 1 macht sich unglaubwürdig, wenn sie den Davids die Siege wegnimmt und dafür sorgt, dass die Goliaths immer gewinnen. Selbst wenn sie nicht als Erster über die Ziellinie fahren.