Das Gedankenspiel

Die Nations League mit Deutschland

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Wie wäre es jetzt eigentlich gewesen, hätte die deutsche Nationalmannschaft sich für das Finalturnier der Nations League qualifiziert? Das fand ja nun vergangene Woche statt, es gewann Portugal vor den Niederlanden, und es gab sogar ein Spiel um Platz drei (England – Schweiz) inklusive Elferdrama. Trotz Live-Übertragung des Endspiels mit ZDF-Hauptkommentator Bela Rethy am Pfingstsonntagabend dürfte die Veranstaltung an Deutschland weitgehend unbemerkt vorübergezogen sein – die anderen Sender hatten beherzt attraktive Spielfilme gegenprogrammiert. Die Nations League in dieser Konstellation war kein Gegner für sie.

Also: Nations League mit Deutschland, das Gedankenspiel. Jogi Löw hätte gefehlt, denn die Langhantel wäre ihm zuvor genauso auf den Brustkorb gerasselt, und allenfalls für ein gescheites EM- oder WM-Turnier und richtigen Fußballwettkampf hätte er die Arterie Arterie sein lassen.

Wenn die Deutschen sich für das Final-Four-Event qualifiziert hätten, sähe der Kader heute anders aus. Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng wären nicht frühverrentet worden – in Portugal allerdings auch nicht dabei gewesen. Selbstverständlich hätte Löw ihnen und auch Manuel Neuer und Marco Reus aus Altersgründen einen Urlaub verschrieben, „damit sie im Sommer 2020, wenn wir eine Europameisterschaft haben, fit sind“. Ohne die Müller-und-Co-raus-Geschichte auch keine Aufregung darüber, dass ihnen der DFB-Präsident ein Abschiedsspiel verspricht. Ohne Aufregung um Reinhard Grindel vielleicht auch keine Entdeckung des Patek-Philippe-Chronometers aus Oligarchen-Hand.

Die EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Estland hätten mit Nations League allerdings nicht um Pfingsten herum stattfinden können und wären auf einen anderen Termin verlegt worden, der mit Sicherheit Karl-Heinz Rummenigge nicht gefallen und ein Wutschnauben in Richtung DFB, UEFA und den lieben Gott auslösen würde.

Das erste Jahr der Nations League ist nun vorbei, den Modus haben immer noch nicht alle kapiert. Ihn zu verinnerlichen lohnt sich auch nicht, denn dieses Wissen braucht man erst wieder 2020/21. Davor steht eine Europameisterschaft, die gleichzeitig in zwölf Ländern stattfinden wird. Und das ist noch komplizierter.

Guenter.Klein@ovb.net

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