Mainz/München – Mario Götze ist seit November 2017 – einhalb Jahre also schon – nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen worden. Wenn er zum Kader gehörte, aber nicht spielen durfte, war das stets das Thema, das die anderen überlagerte. „Deutschland ohne Götze“ war immer stärker als Deutschland dann eben mit einem anderen.
Trotz unübersehbaren Aufschwungs als Vereinsspieler in Dortmund ist Götze, mit 27 übers Wunderkind-Alter auch hinaus, derzeit kein Nationalspieler – doch nun findet sich jemand für seine Rolle. Der Hochbegabte, der links liegengelassen wird. Das Thema lautet nun: Deutschland ohne Timo Werner – warum nur?
Bei der WM 2018 gehörte er zu den Besseren, war gesetzt. Nach der WM wurde der für Leipzig stürmende Schwabe als zentraler Bestandteil der neuen Angriffsformation gefeiert: Er, Leroy Sané, Serge Gnabry. „Unsere drei Mopeds“, sagte Verteidiger Niklas Süle über die flotten und beweglichen, in jede Lücke stoßenden Stürmer. Doch seit Beginn der EM-Qualifikation ist Werner nicht mehr berücksichtigt worden. Und nun kommen die Fragen nach ihm. Auch vor dem Hintergrund, dass man um das Interesse des FC Bayern an ihm und seine Intention, nach München zu wechseln, weiß.
Vertretungs-Bundestrainer Marcus Sorg entwickelt bereits erste Genervtheit. Auf Werner angesprochen, erklärt er: „Ich würde mir wünschen, dass die Medien mit ihm umgehen wie mit jedem anderen Spieler. Er spielt in einer Mannschaft, die sich im Umbruch befindet, momentan nicht.“ Weil es Konkurrenz gibt und der Trainerstab „Marco (Reus), der in fantastischer Verfassung ist, den Vorzug gegeben hat“. Sorg findet es „nicht korrekt, daraus ein Riesenthema zu machen und den Timo in die Richtung zu titulieren, dass er durchfällt“. Und er führt noch ein Stück weiter aus: „Ein Spieler setzt Vertrauen mit einem Platz in der Start-Elf gleich. So muss das aber nicht sein.“
Einem Wechsel nach München kommt Werner als Ersatznationalspieler aber nicht näher. Stärker ist – trotz der Hindernisse einer hohen Ablösesumme – das Begehren, Leroy Sané (Manchester City) zu bekommen. Die Münchner im DFB-Team schmettern ihm ein „Mia san mia“ entgegen, auch Serge Gnabry hat den Kollegen, den er mit Bro-Handshake begrüßt, „auf dieses Thema angesprochen“, denn: „Ich hätte ihn liebend gerne, er wäre eine Bereicherung für den FC Bayern.“ GÜNTER KLEIN