Titelgewinn im Aufbaujahr

von Redaktion

HANDBALL Flensburg-Handewitt wird trotz zahlreicher Abgänge Meister – Gummersbach steigt ab

Frankfurt/Main – Ausgelassene Meisterparty bei der SG Flensburg-Handewitt, Abschiedstränen beim Bundesliga-Dino VfL Gummersbach: Im dramatischen Saisonfinale der Handball-Bundesliga gab es am Sonntag große Emotionen.

Meister: Zum dritten Mal nach 2004 und 2018 triumphierten die Flensburger. Entsprechend euphorisch ging es nach dem 27:24 beim Bergischen HC zu. Schon im Düsseldorfer ISS Dome floss das Bier in Strömen, später ging es mit dem Flieger in die Heimat, wo gestern der große Meisterempfang über die Bühne ging.

Trainer Maik Machulla verfolgte die Jubelszenen mit feuchten Augen. „Der gesamte Verein hat es verdient, denn es steckt sehr viel Arbeit dahinter“, sagte der 42-Jährige. Für ihn selbst war es im zweiten Jahr als Coach der zweite Titel. „Es ist schön, dass ich nun in den Geschichtsbüchern stehe“, meinte Machulla. Dabei war der Flensburger Titelgewinn alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Nicht weniger als sechs Leistungsträger hatten die SG vor der nun beendeten Saison verlassen, darunter Hochkaräter wie Torhüter Mattias Andersson, Regisseur Kentin Mahe oder Abwehrchef Rene Toft Hansen. „Es gab einen Zwei- bis Drei-Jahresplan, um die Mannschaft ganz neu aufzustellen“, sagt Machulla: „Niemand, am allerwenigsten ich selbst, hat ernsthaft erwartet, dass wir wieder um den Titel mitspielen würden.“

Abschied: Des einen Freud war des anderen Leid. Für Erfolgstrainer Alfred Gislason blieb mit dem THW Kiel zum Bundesliga-Abschied nur Rang zwei. „Es waren schöne elf Jahre in Kiel“, sagte der 59 Jahre alte Isländer nach dem 30:26 gegen Hannover. „Ich bin sehr stolz auf die Zeit hier.“ Immerhin holte Gislason mit den Kielern, die mit lediglich sechs Minuspunkten nun bester Vizemeister der Bundesliga-Historie sind, den DHB-Pokal und den EHF-Cup. „Wir haben ein fantastische Saison gespielt“, sagte der scheidende Torhüter Andreas Wolff, der nach Polen wechselt.

Abstieg: Tränen der Enttäuschung flossen beim VfL Gummersbach: Nach 53 Jahren muss der Bundesliga-Dino erstmals absteigen. Im Herzschlagfinale gab ein Tor zugunsten des punktgleichen Rivalen Eulen Ludwigshafen den Ausschlag gegen den zwölfmaligen deutschen Meister, dem das 25:25 bei Mitabsteiger SG BBM Bietigheim nicht zur Rettung reichte. „Es ist schwer, Worte zu finden. Jetzt schauen wir beide in die Röhre“, sagte VfL-Trainer Torge Greve. „Man sieht nur weinende Männer.“

Auch Deutschlands Handball-Legende Heiner Brand, der seine gesamte Karriere lang in Gummersbach spielte, war bestürzt. „Es ist so gekommen, wie ich es befürchtet habe“, sagte der 66-Jährige. „Für Handball-Deutschland ist ein Verlust. Künftig fehlt ein ganz großer Name.“

Europa-Startplätze: Die letzten Tickets für den EHF-Pokal sicherten sich MT Melsungen und die Füchse Berlin. Der SC Magdeburg um Torschützenkönig Matthias Musche (256 Tore) und die Rhein-Neckar Löwen hatten den internationalen Startplatz bereits zuvor sicher.  dpa

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