München – Zumindest einen Namen hatten die Basketballer des FC Bayern schon am Sonntag in den Händen. Alba Berlin also, mal wieder. Wie schon 2014 und im Vorjahr ist der Hauptstadtclub der letzte Stolperstein auf dem Weg zum Titel. Die „Albatrosse“ hatten sich ihrer Halbfinalaufgabe gegen Oldenburg ebenso im Eiltempo entledigt wie es die Bayern mit ihrem 95:80 (48:41) über Rasta Vechta getan hatten. Und nicht zuletzt der Münchner Kapitän Danilo Barthel ahnt schon: Was jetzt kommt, das „wird ein anderes Kaliber.“
Ein Kaliber, auf das man allerdings lange warten muss. Erst am kommenden Sonntag (18.00 Uhr) geht es für die beiden Branchenführer weiter. Wohl nicht nur für Nihad Djedovic ist das ein Ärgernis: „Es muss doch niemand mehr Kondition machen, wir sind alle fit“, sagte der Bayern-Rekordspieler, „das gibt es auf der ganzen Welt nicht noch einmal, dass man in den Playoffs eine ganze Woche warten muss.“
Dem Titelverteidiger kommt die Sache besonders ungelegen, weil man im Laufe der Halbfinalserie Schritt für Schritt besser in Schwung gekommen war. In jedem Spiel ein bisschen besser – diesen Trend würde man in den alles entscheidenden Tagen der Saison denkbar ungern verlieren.
Dass die tollen Aufsteiger aus Niedersachsen im dritten Duell mit einem kompakten Bayern-Team überhaupt so etwas wie Tuchfühlung halten konnten, hatte vor allem mit dessen genialen Kopf zu tun. T.J. Bray, der Regisseur, legte den Bayern 38 Punkte ins Nest, darunter alleine zehn Dreier. Da passte es natürlich prima, dass ein Internet-Branchendienst die Gerüchte über einen Seitenwechsel des US-Amerikaners neu befeuerte. Während das Halbfinale noch lief, tauschte die Seite auf Brays Profil das Vechtaer Logo gegen das Bayern-Emblem aus.
„Gerüchte“, sagte er selbst, er werde erst in den nächsten Wochen seine Zukunft ausloten. Die Clubs äußerten sich naturgemäß auch nicht. Am vielsagendsten noch Rasta-Coach Pedro Calles, der Bray zuerst ein überschwängliches Lob („Es war eine Ehre, ihn zu coachen. Ich habe von ihm mehr gelernt als er von mir“) und dann ein zumindest interpretationsfähiges Augenzwinkern hinterherschickte, als es um einen möglichen Wechsel zum FC Bayern ging.
Ob der Mann aus New Berlin tatsächlich das Anforderungsprofil der ambitionierten Münchner trifft? Man kann zumindest geteilter Meinung sein. So wie Djedovic. „Du kannst in Vechta 20, 25 Würfe nehmen und dann 50 Punkte machen“, sagte der Deutsch-Bosnier, „aber wenn du hier in der Euroleague spielst, kriegst du vielleicht nur fünf Würfe und bist wieder draußen, wenn du die ersten beiden nicht triffst. Mit dem Druck musst du erst mal klar kommen.“
Druck, mit dem Djedovic und Kollegen nun auch im Finale konfrontiert sein dürften. Gegen einen Gegner, der die gelegentlichen kleinen Schwächephasen im Bayern-Spiel anders bestrafen dürfte, als das Rasta Vechta oder zuvor den biederen Braunschweiger Löwen gelungen war. Immerhin ist Alba Berlin der einzige nationale Widersacher, der in dieser Saison schon bewiesen hat, dass er die Bayern sogar in deren eigener Halle bezwingen kann. Auch wenn es lange her ist. Im Dezember warf Alba den FCB aus dem Pokal.