Ein Wunder ist geschehen. Die Profis der Fußball-Bundesliga haben den besten Feldspieler und besten Torhüter dieser Saison gewählt, geworden sind es Kai Havertz und Peter Gulacsi. Doch nicht das Abstimmungsergebnis ist die große Überraschung, sondern die Wahlbeteiligung. 250 Spieler schickten den ihnen vom Fachmagazin „kicker“ überreichten Bogen zurück; das sind pro Verein 14 Leute, also in etwa die Hälfte des jeweiligen Kaders. Jüngst bei der Europawahl war die Quote auch nicht höher. Respekt also, dass unsere Profis so viel Schreibarbeit geleistet haben, den Füllfederhalter nehmen sie normal nur alle paar Jahre zur Vertragsunterschrift in die Hand, und Tinte kennen sie allenfalls als die Flüssigkeit, die ihnen der Tätowierer am Unterarm anbringt.
Dass Profis anonym die Besten bestimmen, ist natürlich die aussagekräftigste Wahl, die es geben kann. Wo offen votiert wird wie beim FIFA-Weltfußballer des Jahres durch Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften, regiert vor allem Diplomatie: Der Weltmeistertrainer wird nicht drei Spieler vom Vizeweltmeister benennen, Kapitäne müssen darauf achten, dass sie niemanden aus ihrem Verein und Länderteam brüskieren.
Man stelle sich vor, jeder Zettel aus der „kicker“-Wahl wäre einzusehen. Was wäre beim FC Bayern los, wenn rauskäme, wer nicht für Manuel Neuer gestimmt hat? Oder – auch danach hat der „Kicker“ gefragt – nach Jürgen Klopp als bestem Trainer der Welt. Das ist nämlich Niko Kovac.
Ein richtiges Brett ist natürlich die Nebenwahl, die der „Kicker“ abhielt. Die Volksbegehren-Frage „Ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer?“. Nur 38 Prozent finden: Ja, ist er. Ebenso sagten 38 Prozent Nein. Dem Rest ist Jogi wurscht.
Kleine Handreichung für den DFB, falls nun Leute daherkommen und die Ablösung Löws fordern: Die 38 Prozent pro Jogi sind natürlich ein traumhaft gutes Ergebnis. Es haben mehr Spieler für ihn gestimmt (95), als er jeweils nominieren kann. Und wer kommt heutzutage auf 38 Prozent? Die CSU hatte bei der Landtagswahl nur 37 Prozent, und nicht mal die hippen Grünen reichen in den neuesten Umfragen auch nur annähernd an Jogi heran.
Löw hat sich somit in einer högschd demokratischen geheimen Wahl durchgesetzt. Er ist der letzte große Volksbundestrainer.
Guenter.Klein@ovb.net