Frankfurt/Main – Kapitän Uwe Gensheimer fehlte beim Sicherheitscheck am Frankfurter Flughafen. Auch Torwart Andreas Wolff und Rückkehrer Tobias Reichmann stiegen gestern nicht in den Israel-Airlines-Flieger LY 358 nach Tel Aviv – aber dafür nahm Bundestrainer Christian Prokop viele junge Wilde mit zum vorletzten Spiel in der EM-Qualifikation nach Israel. „Unsere Vorfreude ist groß“, sagte er.
Während die deutschen Handball-Stars bereits ihren Sommerurlaub genießen, kann und soll sich die nachrückende Generation auf dem Weg zur EM und den Olympischen Spielen 2020 in Tokio noch einmal nachdrücklich aufdrängen. „Sie haben alle viel Qualität, und die will ich sehen“, sagte Prokop, der den Abschluss der EM-Qualifikation mit den Spielen in Israel heute (18.45 Uhr MESZ/Livestream auf zdfsport.de) und in Nürnberg gegen den Kosovo am 16. Juni zum Test für die Zukunft nutzt: „Wir werden am Ende der Woche sehen, wer unter Druck schon so weit ist.“
In dem Kader für Israel stehen nur zwei Profis, die bei der Heim-WM Anfang des Jahres Platz vier geholt hatten. Stattdessen erhalten Spieler wie der Magdeburger Torwart Dario Quenstedt, der in der nächsten Saison Nachfolger von Wolff beim THW Kiel wird, Marian Michalczik (Minden) oder Shootingstar Johannes Golla, einziger Akteur des neuen und alten deutschen Meisters aus Flensburg, ihre Chance. „Die Spieler sind nicht weit weg, und das wollen sie zeigen“, sagte Prokop, der zudem bekräftigte, dass „für jeden“ die Chance „eindeutig“ vorhanden sei, sich in die Mannschaft für die immer näher rückenden Großereignisse im nächsten Jahr zu spielen.
Prokop kann die zwei Partien zum Debütantenball nutzen, weil das DHB-Team das Ticket für die EM 2020 in Österreich, Schweden und Norwegen bereits sicher hat – mit 8:0 Punkten kann die Mannschaft zudem nicht mehr von Platz 1 verdrängt werden. Abgeschenkt werden soll in der israelischen Party-Metropole und vier Tage später in Nürnberg aber trotzdem nichts. „Unser Anspruch ist es, die zwei Spiele zu gewinnen“, sagte Prokop.
Gegen den Kosovo soll dann auch der derzeit angeschlagene Reichmann sein Comeback feiern. „Stand heute sieht es gut aus, dass er im zweiten Spiel dabei ist“, sagte Prokop, der den Ex-Europameister nicht für die Heim-WM Anfang des Jahres nominiert hatte: „Ich gehe davon aus, dass er am Donnerstagabend in Nürnberg zur Mannschaft stößt.“
Reichmann, der sich die Blessur im Saisonfinale mit der MT Melsungen zuzog, hatte nach seinem WM-Aus mit einem Trip nach Florida und spitzen Kommentaren bei Instagram für reichlich Wirbel gesorgt. Prokop zeigte sich dennoch schon kurz nach dem Turnierende offen für eine Rückkehr. sid