München – Das Quartier, das die Fußball-Nationalmannschaft für ein Turnier bezieht, ist wichtig, es kann ein (Miss-)Erfolgsfaktor sein.
Das legendäre Campo Bahia in Brasilien begeisterte die Spieler, sie bildeten Hausgemeinschaften und legten fest, wer den Müll rausbringen muss – inspiriert vom Im-Freundeskreis-Leben unter Palmen wurde Deutschland 2014 Weltmeister.
Gegenbeispiel: Watutinki 2018. Birkenwälder, flaches Land, in der Nähe ein Autobahnkreuz und Wohnblöcke aus der Blütezeit des Plattenbaus – kein Wunder, dass die Mannschaft sich vor dem zweiten Gruppenspiel nach Sotschi verzog, aber die beiden Partien, die sie auf der Freizeitanlage für russische Geheimdienstler vorbereitete, verlor. Danach fuhr man nach Hause. Als Depp.
Campo Bahia oder Watutunki, Glücks- oder Fehlgriff? Zur Zeit plant der DFB die Europameisterschaft 2020, für die er sich wohl qualifizieren wird und von der er weiß, dass er zwei Vorrundenspiele in München haben wird. Das dritte könnte ebenfalls dort stattfinden – oder in Budapest. Der Spielplan ist kompliziert, momentan nicht zu erahnen, denn die EM wird in zehn Ländern stattfinden.
Direkt in München wird die Nationalmannschaft nicht wohnen, sie wird – UEFA-Vorschrift – immer nur die Nacht vor dem Spiel am Spielort verbringen. Sie will in der Umgebung bis 100 Kilometer wohnen – an einem Platz, an dem (Campo-Bahia-Philosophie) die Seele baumeln kann und das Auge sich an etwas festhalten kann. DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw waren kürzlich auf Oberbayern-Tour – und als Favorit für das Basecamp scheint sich Garmisch-Partenkirchen etabliert zu haben. Einen Vollzug wollte Bierhoff bei einem PR-Termin am Mittwoch in Mainz noch nicht vermelden, die Sport-Bild zitierte dafür Sigrid Meierhofer, die Bürgermeisterin der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen: Dass es „eine große Freude und Ehre wäre, wenn wir die Nationalmannschaft beherbergen könnten“. Derzeit ist sie aber im Urlaub.
Der DFB schlug schon einmal groß auf in der Gegend. Unter dem Motto „Gipfelsturm“ wurde der Kader für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz auf der Zugspitze präsentiert, Mercedes, damals noch DFB-Hauptsponsor, ließ seine neuesten Modelle über die Gletscherpiste fahren. Seitdem gilt Löw als Werdenfelser-Land-affin.
Was der DFB für 2020 sucht: ein Hotel, das es für sich alleine hat (Bedarf: etwa 70 Räume) und dessen Zufahrt gut abzuschirmen ist. Zugleich soll es nicht weit sein zum Trainingsplatz (wäre vorhanden) und zur Straße, die einen nach München bringt – Stars sitzen nicht gerne lange im Bus. Positioniert als Sportlerunterkunft hat sich – zuletzt als Gastgeber der Eishockey-Nationalmannschaft – die noch recht neue „Werdenfelserei“ zwischen Loisach und Kurpark, die auch Suiten (Bundestrainer-Anspruch) im Angebot hat. Und das „Obermühle Boutique Resort“ mit Spa, Garten und unmittelbar am Stadion am Gröben.
Was gegen Garmisch-Partenkirchen spräche: das aus den Verkehrsnachrichten bekannte Nadelöhr „Autobahn-ende in Oberaudorf“ und die an Ausflüglertagen nicht zu vermeidenden Staus auf Höhe Farchant. Aber ein Nationalmannschafts-Bus wird, bevor er zum Stehen kommt, von der Polizei freundlich durcheskortiert.