Mehr als ein Stück Heimat

von Redaktion

Der FC Kosova strebt in Richtung Landesliga – Torjäger Shabani „ein Glücksfall“

VON KLAUS KIRSCHNER

München – Im Fußballkreis München haben in der abgelaufenen Saison 369 Mannschaften in 28 Ligen um Punkte und Tore gekämpft. Fast zehn Prozent davon sind Teams mit internationalem Hintergrund. Der Bogen reicht von Anadolu Bayern bis zum SV Türkgücü-Ataspor. Viele Nationalitäten sind vertreten, überwiegend geht es um Breitensport – der Sport soll vor allem ein Stück Heimat sein.

Nun aber ist wieder einmal eine Mannschaft aus der Anonymität herausgetreten. Der FC Kosova schaffte erstmals den Aufstieg in die oberbayerische Bezirksliga und will jetzt auch überregional für Furore sorgen. „Es war ein langer und schwieriger Weg, jetzt haben wir es endlich geschafft und dann entsprechend gefeiert“, betont Vorstand Bene Kelmendi.

Der 1991 gegründete Verein erlebte schwere Jahre, denn der bange Blick ging immer wieder in Richtung Kosovo. Durch den Krieg auf dem Balkan musste viele Kosovaren unfreiwillig ihr Land verlassen. „Inzwischen leben rund 25 000 meiner Landsleute im Großraum München, deshalb war es für uns auch wichtig sportlich nach oben zu kommen“, meint Kelmendi, der seit drei Jahren die Geschicke des FC Kosova leitet: „Wir hatten viele Probleme, aber jetzt sind wir in die Bezirksliga durchmarschiert“.

So sicherte sich Kosova souverän die Kreisliga-Meisterschaft, die Mannschaft von Trainer Bajram Kackin erzielte 104 Tore und einer der herausragenden Akteure holte sich den Titel des Schützenkönigs. So erzielte Bekim Shabani, der sich schon höherklassig seine Sporen verdiente hatte, unglaubliche 40 Treffer. „Seine Verpflichtung war ein Glücksfall für uns. Ich bin überzeugt, dass alle Stammspieler bei uns bleiben – und wir werden uns natürlich noch verstärken, denn die neue Liga ist für uns eine große Herausforderung“. Der Blick des Vorstands freilich geht weiter steil nach oben: „Wir haben zum Glück tolle Sponsoren und wollen in die Landesliga“.

Noch sind die Kosovaren auf der Bezirkssportanlage an der Kronwinklerstraße untergebracht und dort kommt es in der neuen Saison zu einem echten Derby, denn auch der Bezirksliga-Dauerbrenner SV Aubing ist im Münchner Westen beheimatet. „Wir haben allerdings von der Stadt München die Zusage, dass wir demnächst in den neuen Sportpark Freiham umziehen können und hoffen, dann noch viele Jugendliche für unseren Verein begeistern können“, sagt der Kosova-Boss, der aber nicht verhehlt, dass sein Blick weiter auf den noch immer nicht konfliktfreien Balkan gerichtet ist.

„Wir wollen deshalb unseren Landsleuten ein Stück Heimat vermitteln – und bieten auch kulturelle Veranstaltungen an, um den vielen geflüchteten Kosovaren Freude zu bereiten“.

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