Mainz – Als Manuel Neuer am Dienstagabend Mainz verließ, hielt er in der Hand eine Alu-Schüssel. Damit das Essen warm bleibt. Für unterwegs, denn für den Bayern-Torhüter und Kapitän der Nationalmannschaft ging es nach dem Saison-Nachklapp mit den beiden EM-Qualifikationsspielen endlich in den Jahresurlaub. Typische Mannschaftsauflösung: Einige hatten schon den Koffer dabei, von Mainz ist es nicht weit zum Flughafen Frankfurt, dem Tor in die Welt.
Für Jonathan Tah und Lukas Klostermann steht noch das Europameisterschafts-Turnier der U21 an, sie kehren in den Kader von Stefan Kuntz zurück. Auch Marcus Sorg, als Vertretung des erkrankten Jogi Löw in den Blickpunkt gerückt, zieht es nach Italien, wo er den deutschen Nachwuchs beobachten wird: „Ich hoffe, die U 21 qualifiziert sich für Olympia – und vielleicht kann sie sogar den Titel feiern.“
Und nach der U21-EM ist er noch immer nicht dran mit Urlaub. Für die DFB-Akademie reist er in die USA – es geht um ein Projekt an der Stanford-Universität.
Alle anderen aus der DFB-Delegation entfernen sich für ein paar Wochen in andere Länder, auf ferne Kontinente – in den Schlagzeilen werden einige dennoch stehen. Vor allem Leroy Sané. Die große Frage, die ihn umgibt: Wird er bei den nächsten beiden EM-Qualifikationsspielen noch ein Spieler von Manchester City oder schon vom FC Bayern sein?
Fakt ist: In der Nationalmannschaft hat der 23-Jährige sich Stammkraft- und Star-Status erarbeitet, sein Zusammenwirken mit Serge Gnabry ist fruchtbar. Dadurch ist er für den FC Bayern, der die besten Deutschen haben will, interessant. Die eineinhalb Wochen beim DFB wurden von Münchner Seite genutzt, um dem Ex-Schalker Bayern näher zu bringen. Wenn man das vom DFB erstellte Video sieht, in dem die Bayern Joshua Kimmich und Niklas Süle über ihre „Bromance“ erzählen, kann man sich schon vorstellen, dass bei diesem „Weltklasse-Verein“ (Leon Goretzka nach seinem ersten München-Jahr) eine Atmosphäre herrscht, die auf junge Leute anziehend wirkt. Goretzka hat Sané, den er aus gemeinsamer Gelsenkirchen-Zeit gut kennt, erläutert, dass vieles für Bayern spricht, aber er weiß „aus meiner eigenen Erfahrung, dass man diese Entscheidung alleine und in Ruhe treffen muss“. Sein Denkprozess begann während des Confederations Cup 2017 in Russland, wo er mit der beste Spieler war. Ein halbes Jahr später verkündete er, dass er sich im Sommer 2018 nach München verändern werde.
Ilkay Gündogan, der mit Sané bei Manchester City spielt, schreibt seinen Freund noch nicht ab: „Ich weiß, dass Leroy mich extrem mag.“ Sei doch ein Grund, zu bleiben. „Und auch Manchester City wird eine wichtige Rolle spielen. Aber es ist Leroys Karriere und seine Entscheidung.“
Sané, der eine viel tiefere Stimme hat, als man vermuten würde, brummelt alle Spekulationen um seine Person und einen anstehenden Wechsel weg. Ob er den Bayern-Fans Hoffnung machen könne, wurde er gefragt. Er sagte: „Das muss man die Bayern fragen.“
Das wird man. Der Sommer hat ein Thema. GÜNTER KLEIN