Am heutigen Samstagabend um 18 Uhr werden im Rahmen der ARD-Sportschau die Begegnungen der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde ausgelost. Und erstmals seit 25 Jahren wird dabei der Name „TSV 1860 München“ nicht fallen. Der Grund: die peinliche 2:3-Niederlage im Totopokal-Halbfinale bei Regionalligist Aschaffenburg. Mindestens 150 000 Euro gehen den Sechzigern durch die Nicht-Qualifikation durch die Lappen. Eine vergleichsweise lächerliche Summe im Profifußball. Doch für die Schrumpflöwen ein relativ harter Schlag ins Kontor – vom schwindsüchtigen Werbewert ganz zu schweigen. Wie hat der Reklamekaiser einst gefranzelt: „Ja gut, äh, so läuft’s Business.“ Wer keine Leistung anzubieten hat, dem wird auch nichts gegeben. Warum sollte der Kommerzfußball da eine Ausnahme bilden? Ausgerechnet.
In diesen Tagen, da die Drittligisten ihre Saisonvorbereitungen starten, werden den Sechzigern ihre Versäumnisse vor Augen geführt. Wo die Konkurrenz von Würzburg über Ingolstadt bis Unterhaching und Bayern II ihre Kader wetterfest macht für eine erwartbar stürmische Saison, herrscht an der Grünwalder Straße kalter Krieg zwischen zwei Gesellschaftern, die an Tauwetter keinerlei Interesse haben. Sponsoren-Deals liegen auf Eis, die operativ Verantwortlichen beißen sich ihre Zungen blutig, um Frust und Zorn öffentlich Einhalt zu gebieten. Und in diesem Klima des gegenseitigen Misstrauens soll etwas Zukunftsfähiges gezimmert werden.
Wenn 1860 überhaupt noch für irgendwas steht, dann für Wahlkampf. Für Spaltung. Für Trostlosigkeit. Längst werden unter älteren Fans Parallelen zwischen Blauen und Blausternen gezogen. Gefühlt sind die Löwen dem FC Wacker München aktuell näher als dem FC Bayern. Das muss nicht so bleiben, wird es aber, wenn Partiku-larinteressen aus vermeintlicher Vernunft durchgeboxt werden. „Sparen ist kein Geschäftsmodell“, lautet eine alte Manager-Weisheit. „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“, sollte sich die gerne und oft falsch beratene andere Seite an die Bürowände pinseln. Oder vielleicht hilft doch eine gemeinsame Aktion: Heute um 18 Uhr den Fernseher einschalten und zusehen, wenn Nia Künzer zur Ziehung schreitet. Mit der eigenen Nichtigkeit konfrontiert zu werden, hat schon so manchen zum fruchtbaren Nachdenken gebracht.
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