Oakland – Katastrophe und Triumph, Champagner und Tränen lagen nie näher beisammen. Tatsächlich trennten sie nur 25 Meter. Weiter ist der Weg von Kabine zu Kabine in der Oracle Arena zu Oakland nicht.
Um 23 Uhr verschloss man die Umkleide der Golden State Warriors für immer. Nach 47 Jahren zieht das Team ins benachbarte San Francisco um. Wie super diese Super-Mannschaft dann noch aussieht, weiß keiner. Der Abschied aus dem Wohnzimmer endete in einem Desaster, der dem Zerfall einer Dynastie gleicht. Die Warriors verloren neben dem sechsten Spiel der NBA-Finals (110:114) ihren nächsten Superstar. Drei Tage nach dem Achillessehnen-Riss von Kevin Durant barst Klay Thompsons Kreuzband nach einem Foul. „Das ist einfach nur brutal“, sagt Trainer Kerr. Die vielen Verletzungen haben ihm die vierte Meisterschaft in fünf Jahren gekostet und eine Liga, in der sich die Fans über Langeweile beschwerten, wieder spannend gemacht.
Wann die Toronto Raptors die heilige Halle verließen, ist nicht exakt überliefert. Es muss lange nach Mitternacht gewesen sein. Die Marathon-Feier umfasste viele Stationen. Angefangen auf dem Siegerpodest am Spielfeld, auf dem Liga-Boss Adam Silver den Pokal überreichte und Kawhi Leonard als wertvollsten Spieler der Finals auszeichnete. In den Playoffs brachte er es auf den stolzen Schnitt von 30,5 Punkten.
Die größte Party brannten die Raptor-Fans jedoch in der Heimat ab. Hunderttausende fluteten die Straßen Torontos, taten Dinge, die man sich nur an einem historischen Tag traut. Sie sprangen auf Autos, schaukelten auf den Ampelseilen, zündeten Feuerwerkskörper, versprühten Sekt, kletterten auf Kräne. Als erstes kanadisches Team gewann Toronto die Meisterschaft in der NBA. „Diese Nacht gehört Toronto“, rief der Rap-Megastar Drake, der ebenfalls mitfeierte.
Spiel sechs prägten ausnahmsweise die zweiten Geigen – die Aufbauspieler Kyle Lowry (26 Punkte) und Fred van Fleet (22). Auch Pasacl Siakam (26) spielte groß auf. Mit drei Dreiern im Schlussviertel sicherte van Fleet den entscheidenden Sieg zum 4:2 in der Serie und stach sogar Stephen Curry (21 Punkte), Superstar der Warriors, aus. Der setzte beim Stand von 110:111 seinen finalen Dreier-Versuch in der Oracle Arena am Ziel vorbei und stürzte sein Team in einen Sommer der Ungewissheit.