Erfahrung trifft Kollektiv

von Redaktion

Finale der BBL: Titelverteidger Bayern ist Favorit, doch Alba Berlin rückt näher

VON PATRICK REICHELT

München – Wenige Tage vor dem Start des Finales der Basketball-Bundesliga haben die Verantwortlichen von Alba Berlin noch einmal für Stimmung in der Fangemeinde in der Hauptstadt gesorgt. Luke Sikma, so wurde vermeldet, wird Berliner bleiben. Der wertvollste Spieler der Vorsaison hat sich gleich für vier Jahre dem Projekt Alba verschrieben. Man kann so etwas natürlich unterschiedlich bewerten. Marco Baldi, der starke Mann in Berlin fand es „vor allem toll, dass so ein Mann so an uns glaubt und sich dem Projekt verschreibt.“

Baldis Widerpart Marko Pesic vom FC Bayern sah den Deal dagegen als Signal, „dass sich Alba doch in einem anderen finanziellen Bereich bewegt als wir das gedacht haben.“ Worte, die vor dem Auftakt der Finalserie an diesem Sonntag (18.00 Uhr) im Audi Dome in die Grundstimmung passen. Die beiden derzeit besten Basketball-Teams des Landes sind dabei, ihre Rollen für den Showdown um den Titel zu finden.

Ist es tatsächlich das Duell des armen, aber doch sexy Herausforderers aus Berlin mit dem potenten Weltverein aus dem Süden? Geht es nach Baldi, dann kann man die Ausgangssituation nur so sehen. „Wenn ich das doppelte Budget habe, dann bin ich natürlich Favorit“, sagte er. Schönen Gruß an den Finalgegner.

Wie es um die finanziellen Verhältnisse auf beiden Seiten bestellt ist, ist natürlich nicht zu sagen. Im Basketball sind gerade die Teametats ein wohlgehütetes Geheimnis. Eine Sache allerdings ist unumstritten: Die Mittel der Bayern waren genug um den tiefsten Kader der Liga zu schmieden. Von Position eins bis 13 hat man Profis, die das Niveau jederzeit hoch halten können. Der US-Amerikaner Braydon Hobbs etwa hat das spielerische Zeug um in jedem anderen BBL-Team in der Startbesetzung zu stehen. In München hat Hobbs in der kompletten Halbfinalserie gegen Rasta Vechta als siebter Ausländer zuschauen müssen. So wie es über weite Teile der Saison auch Alex King ergangen war. Doch als Ausnahmekönner Derrick Williams gegen Vechta plötzlich ausfiel, da war King da und das Fehlen des NBA-erfahrenen Profis fiel kaum ins Gewicht. „Das zeigt aber auch, was für einen tollen Charakter diese Spieler haben, dass sie ihre Rolle so gut annehmen“, sagte Marko Pesic.

Der achtmalige deutsche Meister aus Berlin hat diese absolute Tiefe bei aller Qualität von Akteuren wie Sikma, Peyton Siva, Dennis Clifford oder Niels Giffey nicht. Aber Alba hat im spanischen Veteranen Aito Garcia Reneses einen Trainer, der es meisterhaft verstanden hat, aus der Mischung aus gestandenen Profis und dem, was der reiche Berliner Talentschuppen hervorbringt, eine schlagkräftige Einheit zu zimmern. Zwei Jahre lang hat der Großteil des Alba-Kaders nun mit dem Spanier gearbeitet, der laut dem Branchenmagazin „BIG“ schon sein Ja-Wort für eine dritte Spielzeit gegeben haben soll. Zwei Jahre, in denen die Mannschaft auch in Europa so manche Erfahrung gesammelt hat. So wie in dieser Saison, als man im Eurocup erst im Finale am BC Valencia scheiterte. Das Resultat haben zuletzt auch die Playoffgegner aus Ulm und Oldenburg zu spüren bekommen über die die Albatrosse mit begeisterndem Offensiv-Basketball hinwegfegten.

Doch nun warten die Bayern, nun wartet das beste Team der BBL, das Defensivkraft mit individueller Qualität und Erfahrung vereint. Und Baldi ahnt: „Wir werden in allen Spielen über 40 Minuten als Mannschaft funktionieren müssen, sonst haben wir keine Chance.“

Der Münchner Chef Marko Pesic scheint die Sache ähnlich zu sehen. „Ich denke, es liegt vor allem an uns“, sagte der Geschäftsführer des Bayern-Basketball-Projektes, „Wenn wir unsere Leistung abrufen, dann haben wir es in der Hand, die Serie auch 3:0 zu gewinnen“, sagte er. Doch auch eine Meisterschaft in vier oder fünf Spielen nehme er gerne mit. „Nur drei Niederlagen wollen wir nicht“, betonte er.

Das klingt irgendwie logisch.

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