München – Kurz vor Schluss war dann doch wieder die Zeit von Derrick Williams gekommen. Der US-Forward schmetterte den Ball mit der Wut eines für ihn lange Zeit verkorksten Spiels per Dunking in den Berliner Korb. Es waren die Zähler, die Titelverteidiger FC Bayern in diesem hochdramatischen ersten Finalspiel der BBL doch in die Spur brachten. Am Ende stand ein heiß erkämpfter 74:70 (36:37). Sieg Nummer eins also – die Bayern können mit breiter Brust nach Berlin fahren, wo am Mittwoch Spiel zwei der Serie nach dem Modus best of 5 ansteht.
Und es wurde schnell klar: Alba Berlin ist das erwartete ganz andere Kaliber als es zuvor die biederen Braunschweiger Löwen und der wackere Aufsteiger Rasta Vechta gewesen waren. Landry Nnoko etwa nahm das besonders wörtlich. Der kantige Kameruner (2,08 Meter, 113 Kilo) nagelte in den Anfangsminuten gleich zwei Dunkings durch die Bayern-Reuse. Eine Ansage: Der Korb, liebe Bayern, ist mein Revier. Das machte Eindruck, Alba machte Eindruck. Bis auf 11:0 rauschte der Herausforderer gleich einmal davon.
Bis die Bayern das machten, was viele im Vorfeld vielleicht größte Plus des Titelverteidigers ansahen. Sie nutzten ihren tiefen Kader. Stefan Jovic brachte Struktur ins bis dato fahrige Spiel. Petteri Koponen eine Portion Abgeklärtheit. So wie bei dem Dreier, den er Alba praktisch mit ersten Viertelsirene ins Nest legte.
Die Bayern waren drin in diesem ersten Finale. Vor allem Nihad Djedovic. Der Münchner Defensiv-Giftpilz zeigte, dass er auch offensiv nichts verlernt. 12 seiner 18 Punkte hatte er zur Pause schon eingesammelt. Zum Kochen freilich brachte den, mit 6500 Zuschauern ausverkauften Audi Dome dann doch erstmal ein anderer. Nemanja Dangubic, der als sechster Ausländer wieder den Vorzug vor Kreativgeist Braydon Hobbs erhielt, stopfte den Ball durch die Reuse. 35:34 – die erste Führung. Da stand auch Arjen Robben auf seinem Sitz – das erprobte Audi-Dome-Maskottchen bekam vom FC Bayern Basketball als Erinnerung für seine treuen Besuche ein personalisiertes Trikot überreicht. Man ahnte derweil: Auch Fouls konnten zu einem Faktor werden. Berlins Regisseur Peyton Siva und Center Johannes Thiemann brachten sich früh mit je drei Vergehen in Bedrängnis. Auf Bayern-Seite mussten Vladimir Lucic (3) und vor allem Dangic (4) einen Gang zurückschalten. Zumindest Siva (14 Punkte) beeindruckte es nicht. Mit gleich vier Dreiern zu Beginn des Schlussviertels brachte er die Gäste in Position (56:62). Und brachte am Ende vielleicht doch die Entscheidung zu Ungunsten seines Teams. Mit einem vermeidbaren Offensivfoul in den Schlusssekunden verabschiedete er sich auf die Bank und gab obendrei auch noch den Ball aus der Hand.
Und das war eine Chance, die sich der Meister, der durch einen Kraftakt von Vladimir Lucic wieder gleichgezogen war, nicht nehmen ließ. Im Gegenzug behielt Danilo Barthel an der Freíwurflinie die Nerven und packte den Deckel auf ein bemerkenswertes erstes Spiel.
Der Kapitän des FC Bayern, der sich schon im Vorjahr zum wertvollsten Spieler der Finalserie aufgeschwungen hatte, krönte damit eine bärenstarke Leistung (14 Punkte)