München – Aufsteigen, ankommen, angreifen – so lautete der sportliche Plan beim TSV 1860 nach dem Absturz in die Regionalliga. Punkt eins und zwei ließen sich binnen zwei Jahren bewerkstelligen, nur bei der Sache mit dem Angreifen haben sie in Abu Dhabi und Giesing etwas komplett falsch verstanden.
Statt ein gemeinsames Ziel auch gemeinsam zu verfolgen, stehen sich der Verein und sein Investor in vollendeter Ablehnung gegenüber. Die Hoffnungen, den anderen mittels einer Insolvenz bzw. durch Aushebeln der 50+1-Regel loszuwerden, erwiesen sich 2017 als nicht umsetzbar, doch statt Kompromisslösungen anzustreben, wird intrigiert und attackiert – gerne auch öffentlich. Jüngste Episode: Hasan Ismaiks Facebook-Rundumschlag, der zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung zwar keinerlei Fragen beantwortet, dafür das Chaos im und um den Club tatsächlich noch vergrößert.
Im Fokus der Kritik steht Geschäftsführer Michael Scharold, dem Ismaik grobe handwerkliche Fehler und fahrlässiges Handeln bei der Finanzplanung unterstellt. Dass der Finanzboss noch nicht rausgeflogen sei, liege einzig und allein daran, dass sich Präsident Robert Reisinger nicht eingestehen wolle, mit Scharolds Einstellung einen Fehler begangen zu haben.
Was Ismaik in seinem Furor wohl vergessen hat: Er vernichtet Scharold für zu wenig Sponsoring-Einnahmen, stellt sich aber gleichzeitig gegen die Ausweitung des Engagements von Hauptsponsor Die Bayerische, das der sportlichen Leitung den dringend benötigten Handlungsspielraum für Transfers geben würde. Widerspruch zwei: Ismaik kritisiert die „drastische“ Erhöhung der Eintrittspreise, echauffiert sich aber seit Jahren über ein zu geringes Umsatzplus. Das alles wäre noch halbwegs zu verstehen, stünde den Vorwürfen nicht lediglich der Plan eines erneuten Millionen-Darlehens gegenüber, wohl wissend, dass das Präsidium eine weitere Neuverschuldung wiederholt ausgeschlossen hat.
„Mir ist bewusst, dass der TSV 1860 mit der aktuellen Mannschaft größte Gefahr läuft, das Saisonziel Klassenerhalt in der Dritten Liga nicht zu erreichen“, heißt es in Ismaiks Brandbrief. „Aus diesem Grund habe ich mich kurzfristig entschlossen, Cheftrainer Daniel Bierofka (…) noch einmal zu helfen. Mit einer zusätzlichen Finanzspritze, die ich in Form eines Darlehens umgehend zur Verfügung stellen werde (…).“
Sollten diese Aussagen einzig und allein als Druckerhöhung auf Reisinger gedacht gewesen sein, wird Ismaik nachlegen müssen. Die Reaktionen bei Facebook und einem sehr investorennahen Blog waren bis gestern Abend jedenfalls in erheblichen Teilen negativ bis verheerend. Fast schon eine Steilvorlage für das Ismaik-kritische Lager. „Wir äußern uns nicht zu Einträgen auf Facebook“, sagte Präsident Reisinger. „Ein konkretes Angebot, zu dem wir Stellung beziehen könnten, liegt uns nicht vor.“
P.S.: Heute um 10 Uhr starten die Löwen mit einem Laktattest in der Sportschule Oberhaching in die Saisonvorbereitung.