Salvador da Bahia/Sao Paulo – Als der Ball zum zweiten Mal hinten einschlug, senkte Lionel Messi nur noch den Kopf, schritt selbstversunken über den Rasen. Der Fehlstart bei der Copa America in Brasilien mit dem 0:2 gegen Kolumbien war schon an der Körpersprache sichtbar ein harter Schlag ins Kontor. „Das wird dauern, bis wir die Niederlage akzeptieren“, gestand der 27-Jährige.
Dieser verdammte große Titel, auf den Argentinien seit 1993 wartet, dem Messi, fünfmal zum Weltfußballer gekrönt, verzweifelt nachjagt, scheint ein Fluch. Die Galionsfigur des FC Barcelona scheiterte bei vier WM-Turnieren, am schmerzlichsten im Finale 2014 gegen Deutschland. Bei seinen vier Copa-Teilnahmen zuvor entglitt ihm der Pokal gar dreimal in den Endspielen 2007, 2015 und 2016.
Doch mit Schlusspfiff war „Leo“ Kapitän, versteckte sich nicht, wie bei ihm Usus, sondern munterte noch auf dem Platz die Seinen auf, klatschte ins Publikum, und stellte sich demonstrativ den Medien. „Wir wollten nicht so starten, müssen es aber akzeptieren. Kopf hoch und weite“, forderte er. „Es gibt keine Ausreden“. Punkt. Aus.
Vor den 35 572 Zuschauern in der Arena Fonte Nova in Salvador, wo Deutschland 2014 mit dem 4:0 gegen Portugal einen perfekten WM-Start hingelegt hatte, stieß Roger Martinez (71.) die drängenden Argentinier mit einem Traumtor mitten ins Herz, „als wir besser waren“ (Messi). Endgültig den Deckel zu machte Duvan Zapata (86.).
„Was für ein großartiger Tag“, fand auch Kolumbiens Schaltzentrale James, der nach dem Double-Gewinn mit dem FC Bayern von den desinteressierten Münchner vorerst zu Real Madrid zurückkehrt, bei der Copa sich aber in den Fokus anderer europäischer Topklubs spielen will. Der Traumpass zum Führungstor war dabei die erste Visitenkarte.
Nach 20 Jahren gelang wieder ein Sieg bei der Copa gegen die Gauchos. „Es ist schön, wenn man nach so langer Zeit gegen sie wieder gewinnt“, resümierte James: „Wir haben unseren Matchplan exzellent umgesetzt.“
Dagegen trat Argentiniens Star-Sturm mit Messi, Angel Di Maria und Sergio Agüero 90 Minuten kaum in Erscheinung. Was nicht an Messi, aber wieder einmal an der – unverständlicherweise – fehlenden Bindung untereinander lag. „Es hat ja gerade erst begonnen“, beruhigte der Barca-Star.
Dennoch steht der 14-malige Titelträger, der zuletzt vor 40 Jahren ein Auftaktspiel beim kontinentalen Turnier verloren hatte, schon beim zweiten Gruppenspiel am Mittwoch in Belo Horizonte gegen Paraguay unter Zugzwang. Argentiniens letzter großer Titel, der Copa-America-Triumph 1993, liegt bereits 26 Jahre zurück. Danach folgte immer wieder der gleiche schlechte Film.
Copa-Gastgeber Brasilien hatte zuvor dank eines Doppelschlags von Philippe Coutinho einen erfolgreichen Auftakt bei der Copa America geschafft. Doch die Selecao enttäuschte beim 3:0-Sieg am Freitag gegen Bolivien die Fans. Einer lauen ersten Halbzeit mit einem warnenden Pfeifkonzert von der Tribüne folgte nach Wiederpfiff ein Aufreger, als der argentinische Schiedsrichter Nestor Pitana nach Studium der Videobilder auf Handelfmeter entschied. Coutinho (50.) verwandelte sicher – und erhöhte nach einem sehenswerten Angriff per Kopf kurz danach auf 2:0 (53.). Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Everton (85.). sid