Möglicher Hummels-Abschied

Lücke in der Hierarchie

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Die besten Spieler Deutschlands sollten beim besten Verein Deutschlands spielen, das war und ist noch immer das Ziel von Uli Hoeneß. Gut, jetzt kann man darüber streiten, ob Mats Hummels noch zu diesem elitären Kreis zählt, Bundestrainer Joachim Löw findet bekanntlich nicht. Aber Fakt ist, dass der 30-Jährige noch immer auf sehr hohem Niveau verteidigen kann, wie meist in der Rückrunde der soeben zu Ende gegangenen Saison. Da hat er außerdem seinem von Trainer Niko Kovac zum Abwehrchef beförderten Nebenmann Niklas Süle ein paar Mal eine kleine Lehrstunde in Sachen Spieleröffnung erteilt.

Lucas Hernandez ist jünger, schneller und bringt vermutlich mehr Zweikampfhärte mit, als Hummels je hatte, aber der Franzose bestach bisher nicht durch die Fähigkeit, ein Spiel von hinten heraus aufbauen zu können. Schon eher Benjamin Pavard, allerdings muss der erst einmal eine schwierige Abstiegssaison mit dem VfB Stuttgart verarbeiten. Beide Spieler sind aufgrund ihrer Variabilität außerdem ebenso Kandidaten für die Außenpositionen in der Abwehr.

Der FC Bayern würde in Hummels nicht nur einen guten Innenverteidiger verlieren, sondern nach Ribery und Robben eine weitere Identifikationsfigur. Er ist zwar in Nordrhein-Westfalen geboren, aber in München aufgewachsen – und er wurde beim Rekordmeister ausgebildet. Dass er 2008 wegen Perspektivlosigkeit sein Glück erst einmal in Dortmund suchte und auch fand, haben ihm die Bayern-Fans nicht nachgetragen, ganz anders als die BVB-Anhänger, die ihrem Kapitän die Rückkehr zum Rekordmeister 2016 arg übel nahmen.

Hummels verkörpert nicht wegen vieler Erfolge und langjähriger Mannschaftszugehörigkeit den Verein, sondern aufgrund seiner Münchner Vergangenheit. Und er gehört zu jenen Spieler, die als Wortführer taugen, aufgrund seiner Erfahrung und seiner Intelligenz. Er mag manchmal anstrengend sein, für die Kollegen und für den Trainer, aber eine funktionierende Mannschaft braucht auch kritische Geister. In der Hierarchie des FC Bayern würde Hummels eine Lücke hinterlassen. Mehr noch als auf dem Platz.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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