„Alles ein bisschen unrealistisch“

von Redaktion

Kevin Krawietz hat Sieg in Paris mit Andreas Mies noch nicht verarbeitet – Heute Start in Halle

VON ROBERT M. FRANK

München – In den letzten Tagen hat Kevin Krawietz der French-Open-Sieg im Doppel mit Andreas Mies vor rund einer Woche noch einmal eingeholt. Der Münchner Tennisprofi bekam am Freitagnachmittag bei seinem Verein TC Großhesselohe einen festlichen Empfang von zahlreichen Vereinsverantwortlichen, Clubmitgliedern und Nachwuchstalenten.

Nur einen Tag später tauchten beim 27-Jährigen während des Musikhörens über Kopfhörer bei seinem Flug zum ATP-Turnier in Halle die Bilder seines Grandslam-Erfolgs in Paris wieder auf. „Es ist immer noch schwierig, das alles zu realisieren. Man hat lange davon geträumt, so einen Erfolg zu erreichen. Und jetzt ist er auf einmal da. Es wirkt alles noch ein bisschen unrealistisch“, sagt Krawietz, der zusammen mit Mies heute in Halle das erste Match bestreitet (gegen das deutsche Doppel Dustin Brown/Tim Pütz).

Betrachtet man die Ergebnisse von Krawietz und seinem Kölner Doppelpartner in den letzten Monaten, kam der Titelgewinn bei Roland Garros gar nicht so überraschend. Acht gemeinsame Siege bei ATP-Challenger-Turnieren sowie der erste ATP-Turniergewinn zu Beginn des Jahres in New York sprechen für die stark aufsteigende Form des Duos. Krawietz und der ein Jahr ältere Mies ergänzen sich perfekt. Während der Münchner mit seinen kräftigen Aufschlägen und Grundschlägen Punktgewinne vorbereitet, ist der insbesondere bei Returns und Volleys sehr starke Mies mit Winner-Schlägen oft zur Stelle. Und auch die emotionale Eigenschaft des Rheinländers und die bayerische Gelassenheit des in Coburg aufgewachsenen Krawietz harmonieren auf dem und außerhalb des Tennisplatzes.

Das seit 2017 zusammen spielende Duo hat sich gefunden. „Es hilft unheimlich viel, wenn man schon lange zusammenspielt hat und den anderen gut kennt. Man weiß zum Beispiel, wie man ihn aus einer schlechten Phase wieder raushelfen kann“, sagt Krawietz.

Der historische Doppel-Turniersieg auf dem Sandplatz von Paris, den es aus deutscher Sicht seit dem dem French-Open-Erfolg von Gottfried von Cramm und Henner Henkel im Jahr 1937 nicht mehr gegeben hat, hat unmittelbare Folgen für die Karriere des Wimbledon-Siegers von 2009 im Junioren-Doppel.

Auf finanzieller Sicht verschafft dem Duo das Sieger-Preisgeld von 580 000 Euro auf der sehr kostenintensiven Tour mehr Spielraum bei der Planung. Und dank des Gewinns von 2000 Weltranglistenpunkten sind die beiden, die bisher bei großen Turnieren oft nicht sicher für das Hauptfeld qualifiziert waren, auf die Plätze 21 ( (Krawietz) und 22 (Mies) geklettert. Damit ist dem Duo eine Teilnahme bei allen großen Turnieren garantiert.

Mit dem gestiegenen Erwartungsdruck an die frisch gebackenen Grand-Slam-Sieger kann Krawietz in diesem Zusammenhang ebenso gut leben wie mit der Tatsache, dass seine Einzelkarriere vorerst einmal deutlich hinter dem Doppel anstellen muss. Als Nummer 280 der ATP-Einzelweltrangliste schafft es der Großhesseloher Bundesligaspieler nämlich bei den ganz großen Turnieren dort nicht in die Qualifikation. „Ein großes ATP-Turnier auszulassen, nur um bei einem Challenger im Einzel zu spielen, kommt für mich aktuell weniger infrage.“

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