München – Die spannendste Zeit für die oberbayerischen Amateur-Fußballer ist am Samstag zu Ende gegangen – der wochenlange, viel beachtete Relegationsmarathon. Wo sich bei den „normalen Punktspielen“ oft nur wenige Zuschauer verirren, herrschte zuletzt in allen Stadien Hochbetrieb. Die Schatzmeister der beteiligten Vereine rieben sich die Hände, aber es spielten sich auch zahlreiche Dramen ab und die Nerven lagen vielerorts blank. Jetzt sind alle Auf- und Absteiger ermittelt, die Einteilung der Spielgruppen für die Saison 2019/2020 kann endgültig vorgenommen werden.
Die SpVgg 1906 Haidhausen schaffte als einer der letzten Vereine den Sprung in die oberbayerische Bezirksliga; Gegner war der TSV Waging am See (mit 1:0 und 3:0), bei dem Kultlöwe Werner Lorant schon mal als Interimscoach eingesprungen war.
Die SpVgg 1906 Haidhausen hat eine bewegte Vergangenheit. Der oft als „Rote Erde Kampfbahn“ betitelte Sportplatz gegenüber dem Ostfriedhof besaß einst Kultstatus und lehrte die Gegner das Fürchten. Sportlich ging es sogar rauf bis in die erste Amateurliga, zu vergleichen mit der heutigen Bayernliga. Aber ein Akteur machte die „Sechser“ über die Grenzen hinaus bekannt. Franz Beckenbauer startete seine einzigartige Karriere in der Jugendmannschaft des SC 1906 auf dem Sportplatz an der St.-Martin-Straße in Obergiesing. Damals wollte der begnadete Fußballer eigentlich zum TSV 1860 wechseln. Doch beim Punktspiel von 1906 gegen die Löwen verpasste ihm bekanntlich ein Gegenspieler eine Watschn, und der spätere Weltstar wechselte aus Groll zum FC Bayern.
Noch heute sind sie stolz auf ihren prominentesten Kicker, die alten Geschichten Gesprächsstoff im Vereinsheim. Vor zehn Jahren fusionierte der SC 1906 mit Haidhausen und längst ist die berüchtigte Rote Erde von einem Kunstrasenplatz abgelöst worden. Dort finden derzeit Umbauarbeiten statt, denn durch die vielen Nachwuchskicker platzt die Anlage aus allen Nähten.
Den Aufstieg in die Bezirksliga schaffte die SpVgg 1906 Haidhausen durch viele Akteure, die sich bereits höherklassig bewährt haben. Dies gilt in erster Linie für die Familie de Prato. Florian und Stefan trugen in dieser Saison maßgeblich zum Aufstieg bei. Jetzt wechselt auch noch Thomas vom Landesligisten TSV Grünwald an den St.-Martins-Platz. Die drei Brüder wollen dafür sorgen, dass die sportlichen „Erben“ von Franz Beckenbauer auch in der neuen Spielklasse für Furore sorgen. KLAUS KIRSCHNER