Bayerische Transferstrategie

von Redaktion

Mats Hummels könnte es ergehen wie vor einem Jahr Jerome Boateng

VON MANUEL BONKE

München – Während Mats Hummels mit Ehefrau Cathy und Söhnchen Ludwig die Sonne in Miami genießt, hat in seiner Heimat der heiße Poker um seine Zukunft längst begonnen. Die Fronten scheinen geklärt: Dortmund hätte seinen verlorenen Sohn und ehemaligen Abwehr-Chef gerne wieder zurück, und der FC Bayern ist bereit, Hummels ziehen zu lassen – wenn das Geld stimmt.

Der Faktor Ablösesumme könnte beim Transfer nämlich zum Zünglein an der Waage werden. Den Münchner Machern stößt es sauer auf, dass aus der Dortmunder Ecke eine Ablösesumme in Höhe von 20 Millionen Euro kolportiert wurde. Dieser Betrag ist den Bayern h schlichtweg zu niedrig angesetzt. Interessant: Eine ähnliche Verhandlungsstrategie verfolgte der BVB beim Transfer von Gladbachs Thorgan Hazard: Die Dortmunder ließen ihre Vorstellungen in Höhe von 20 Millionen durchsickern, obwohl Gladbach von Anfang an einen deutlich höheren Betrag forderte. Letztendlich einigte man sich dem Vernehmen nach auf 25,5 Millionen. Die Taktik der Schwarz-Gelben ging also auf.

Die Bayern dürften dieses Transfer-Spielchen allerdings nicht mit sich spielen lassen. Dass sie am Verhandlungstisch eine knallharte Position einnehmen können, haben sie bereits im vergangenen Sommer bewiesen. Dort stand Hummels’ Abwehrkollege Jerome Boateng unmittelbar vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain, doch die Münchner Bosse ließen den Deal im letzten Moment platzen. Laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte das vor allem mit einem Last-Minute-Veto von Trainer Niko Kovac zu tun. Nach Informationen dieser Zeitung war aber auch die Höhe der Boateng-Ablöse entscheidend. Ende August waren die Bayern gewillt, das PSG-Angebot in Höhe von 32 Millionen anzunehmen, riefen plötzlich aber weit mehr als 40 Millionen auf. Die Summe war PSG zu hoch, der Transfer scheiterte bekanntlich. Also musste Boateng in München bleiben und die Saison endete für ihn mit weniger sanften Abschiedsworten von Präsident Uli Hoeneß: „Im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper. Ich würde ihm als Freund raten, sich einen neuen Verein zu suchen.“

Anders als mit PSG haben die Bayern mit Dortmund schon zahlreiche Transfers sauber über die Bühne gebracht. Darum ist davon auszugehen, dass sich beide Vereine in den nächsten Wochen auf eine Ablösesumme verständigen können.

Dann stehen Trainer Kovac in Niklas Süle, Lucas Hernandez, Benjamin Pavard drei Innenverteidiger zur Verfügung, dazu kommen Javi Martinez, der unter Pep Guardiola im Abwehrzentrum gespielt hatte. und das Talent auf der zweiten Mannschaft, Lukas Mai.

Und Boateng? Der lässt zwar indirekt ausrichten, dass er sich einen Verbleib in München grundsätzlich vorstellen könnte, allerdings tut er sich aktuell auch schwer, einen neuen Verein zu finden. Schwer vorstellbar, dass er nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen weiter im Bayern-Trikot aufläuft – selbst wenn sich Abwehrkollege Hummels nach Dortmund verabschiedet.

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