Daniel Löwenherz

von Redaktion

Bierofka bleibt 1860-Trainer und stellt sich auf eine schwierige Saison ein

VON ULI KELLNER

München – Links absolvierten junge Sprinterinnen ein anspruchsvolles Techniktraining. Um sie herum keuchten die Profis des TSV 1860 beim nur mäßig beliebten Laktattest. Irgendwo auf der Anlage der Sportschule Oberhaching schwitzten auch noch junge und mittelalte Fußballer, durchtrainierte und ansatzweise gwamperte. Nur der Mann mittendrin, der seinen Schattenplatz kaum verließ, der passte auf den ersten Blick so gar nicht zum sportiven Treiben.

Daniel Bierofka trug keinen Trainingsanzug, sondern ein Sakko mit ledernen Ellbogen-Patches. Schick sah er aus, fast ein bisschen zu vornehm. War da jemand vorbeigekommen, um Abschied zu nehmen? Um alten Weggefährten noch ein paar warme Worte mit auf den Weg zu geben? Das Gegenteil war der Fall. Erstens, stellte der Fußballlehrer grinsend klar: „Ich bin immer schick! Ihr seht mich halt meistens auf dem Trainingsplatz.“ Zweitens: Bierofka wird ab heute auch wieder die gewohnte Ballonseide tragen – die mit dem 1860-Logo auf der Brust. Emotional gesehen habe er keine andere Wahl gehabt, machte er im Gespräch mit der Presse deutlich. „Für mich war wichtig, dass ich im Urlaub reflektiert hab“, sagte der alte und neue Löwen-Coach mit Blick auf die Familien-Auszeit unter griechischer Sonne. „Und“, betonte er: „Meine Frau hat mir auch noch mal in den A . . . getreten.“

Die vier Wochen Sommerpause haben zwar keine vereinspolitische Harmonie gebracht (sondern das Gegenteil, siehe links). Sie haben nicht mal Geld gebracht, das die Sportliche Leitung auch ausgeben darf, weswegen beim Vorbereitungsstart erstmals keine externen Zugänge zu besichtigen waren. Eines aber hat die fußballfreie Zeit geliefert: einen Trainer, der seine Abschiedsgedanken ad acta gelegt hat – und der sich klarer als erwartet zur kniffligen Mission beim Giesinger Problemclub bekennt.

„Ich bin jetzt 15 Jahre in diesem Verein tätig – so was prägt“, erklärte der Löwe aus Leidenschaft. Deswegen – und auf Basis vieler geführter Gespräche – habe er sich dazu entschieden, „dass ich das jetzt knallhart durchziehe“. Bierofka betonte, dass er entgegen seiner Ankündigung auch ohne Aussicht auf Verstärkungen weitergemacht hätte – ganz einfach, weil er sich dem Team, das er über die Jahre aufgebaut hat, verpflichtet fühle, wie er sagt: „Ich hab einfach zu viel Energie und Herz da reingesteckt, als dass ich das einfach liegen lassen kann.“ Mal abgesehen davon, dass er dann auch Ärger mit seinen Kindern Zoe, 8, und David, 13, bekommen hätte, die wie er selbst „durch und durch blau“ seien.

Doch was ist möglich mit der Mannschaft, die aktuell wie ein Rohbau wirkt? Sturmoldie Sascha Mölders, 34, erhielt gestern noch Schonzeit wegen seines Knieödems. Die angestrebten Verstärkungen für die Innenverteidigung und für den Sturm existieren weiterhin nur auf internen Papieren. „Und die Listen werden immer kürzer, je länger wir warten“, so Bierofka. Zwar gab es gestern vier, fünf unbekannte Gesichter zu mustern, aber das waren junge Gesichter – sie gehörten den Talenten Leon Klaasen (U 21), Noel Niemann (genesen von schwerer Knieverletzung), Niklas Lang (U 17) und Fabian Greilinger (U 19), dazu dem noch immer nicht fest verpflichteten U 21-Aufrücker Marco Raimondo-Metzger, 27. „Wenn der Kader so bleibt, dann muss ich schon alles aus ihm rauskitzeln, dass wir die Klasse halten“, ahnt Bierofka: „Dann muss wirklich ein Rädchen ins andere greifen.“ Dann, so warnt er, dürfe sich auch kein wichtiger Spieler mehr verletzen.

Aber: Noch hat er eine Resthoffnung, dass sich die Gesellschafter einig werden und ihm noch ein, zwei Führungsspieler auf den Platz stellen. „Das ist das Minimum, was wir brauchen. Andernfalls muss ich Spieler umschulen. Denn mit nur einem Innenverteidiger geht’s nicht.“ Ein „Rumkrebs“-Platz zwischen 10 bis 12, vor einem Jahr noch Ausdruck verachtenswerter Mittelmäßigkeit, ist plötzlich ein erstrebenswertes Ziel: „Den würde ich jetzt sofort unterschreiben.“

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