Nahe am Déjà-Vu

von Redaktion

Erkenntnis bei Bayerns Basketballern nach dem holprigen Finalauftakt: Hauptsache gewonnen

VON PATRICK REICHELT

München – Als alles vorbei war, da wusste Marko Pesic gar nicht so genau, warum dieses erste Finale gegen Alba Berlin für seine Bayern-Basketballer noch ein gutes Ende genommen hatte. Der sichtlich mitgenommene Münchner Geschäftsführer hatte an die Minuten, die das dramatische Match noch zugunsten seines Teams entschieden, gar keine wirkliche Erinnerung mehr. „Ich habe das gar nicht mitbekommen“, sagte Pesic, „ich muss mir das noch mal im Fernsehen anschauen.“

Den Münchner Basketballchef hatte in jener Phase das unheilvolle Gefühl beschlichen, das alles schon einmal erlebt zu haben. Im ersten Finale des vergangenen Jahres nämlich. Auch damals schien sich das Spiel lange Zeit zugunsten der Bayern zu entwickeln. Auch damals liefen die Berliner im Schlussviertel heiß – und vermasselten dem Erzrivalen in der Verlängerung noch den Finalauftakt.

Nun gut, immerhin der Finalkater blieb den Münchnern gestern ja erspart. Die Klasse von Vladimir Lucic, Derrick Williams und Danilo Barthel gepaart mit zumindest nicht ganz ungünstigen Pfiffen der Unparteiischen bescherten den Bayern noch einen 74:70-Sieg. Hauptsache gewonnen, so war am Ende die Stimmung im Bayernlager. Und auch Pesic wollte da lieber nicht kleinlich sein. „Wenn dir am Ende einer so langen Saison nur noch zwei Siege zur Meisterschaft fehlen, dann ist das schon mal ganz gut“, sagte er.

Doch die Bayern ahnten selbst, dass eine Steigerung vonnöten sein wird, wenn diese Serie wirklich mit der fünften Deutschen Meisterschaft der Clubgeschichte enden soll. War es die lange Pause von einer Woche seit dem Halbfinale? War es Nervosität? Tatsache ist: Man leistete sich reichlich Fehler. Und die Fehler, die sich der Titelverteidiger so leistete, wird Alba Berlin vermutlich schon beim Wiedersehen am Mittwoch (20.30 Uhr), das Fans übrigens per Public Viewing im Cinemaxx-Kino verfolgen können, nicht mehr so ungestraft lassen wie im Audi Dome. 20 Münchner Ballverlusten etwa setzten die Herausforderer selbst deren 20 entgegen. Weshalb sich auch Albas Trainer-Legende Aito Garcia Reneses gar nicht erst damit aufhielt, andere Erklärungen für die erste Niederlage im Rahmen dieser Playoffs zu suchen. „Bayern war in den letzten Minuten besser und hat daher gewonnen“, sagte er, „wir müssen unser Niveau konstant hochhalten, wenn wir diese Serie gewinnen wollen.“

Ähnliches freilich haben auch die Bayern im Sinn. Für deren ersten Auftritt nicht zuletzt Derrick Williams symbolisch steht. Der US-Forward schuftete nach Kräften, vor allem in der Defensive. Doch gerade das Spiel nach vorne lief über weite Strecken an ihm vorbei. „Man sieht ihm an, wie er brennt, wenn er aufs Feld geht, er will unbedingt“, hat Marko Pesic beobachtet, „aber er muss fokussierter und geduldiger sein.“

Und das möglichst schnell. Am liebsten würden die Bayern den schwungvollen Herausforderer natürlich gar nicht erst in die Serie kommen lassen. und schon am Mittwoch die Weichen stellen. Dann hätte Pesic vermutlich anders als am Sonntag nichts dagegen, die Bilder des Vorjahres noch einmal zu erleben. Damals nämlich schlugen seine Bayern gleich in der zweiten Partie in der Berliner Arena mit einem Sieg zurück.

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