Vereinsbosse werden manchmal wütend, das ist ja auch bei Uli Hoeneß so, der seine Spieler fast alle liebt, vor zehn Jahren, als es mal gar nicht lief, aber Massenentlassungen androhte – ungeachtet bestehender Verträge. Es sind dann auch alle geblieben und haben sich in der nächsten Saison eben zusammengerissen. Nun haut Nasser Al-Khelaifi auf den Stammtisch (den es in seinem Kulturkreis gar nicht gibt): Der Katarer, dem Paris St. Germain gehört, poltert nach einer Saison, die vom zu frühen Aus in der Champions League überschattet war: „Die Spieler müssen mehr machen, mehr arbeiten. Sie sind nicht hier, um sich zu vergnügen.“ Weiter sagt er: „Die Türen stehen offen“, er wird die nach draußen meinen. Und: „Es gibt keinen Promibonus.“
Die angesprochenen Spieler und ihre Berater dürfen es mit einem milden Lächeln zur Kenntnis nehmen. Denn bei ihnen liegt die Macht. Ein Clubbesitzer, der einen Spieler rauswirft, übergibt ihn ablösefrei dem hungrigen Markt und schreibt einen Multimillionen-Verlust. Und ein Fünfjahresvertrag ist für den Verein bestenfalls eine Sicherheit für vier Jahre, weil er beim Auslaufen eines Arbeitsverhältnisses kein Geld sehen würde und daher seinen Spieler ein Jahr zuvor verkauft oder im Zuge einer Vertragsverlängerung die Bezüge deutlich erhöht. Über den Kapitalismus im Fußball brauchen sich PSG und sein Boss nicht zu beschweren – schließlich spielten sie mit der Rekordablöse für Neymar und den Finanzierungstricks in Sachen Mbappé eine wesentliche Rolle bei seiner Entwicklung. Und noch immer geht die Geschichte um, der nun lamentierende Herr Al-Khelaifi habe eine Millionenprämie für den Stürmer Cavani ausgelobt, wenn der bei Elfmetern Neymar den Vortritt lasse. Schon der Gedanke an so etwas ist ein Rekord-Auswuchs.
Eine von Nasser Al-Khelaifis neuen Vorgaben wird aber längst umgesetzt, nämlich: „Die Spieler sind nicht hier, um sich zu vergnügen.“ Richtig. Denn sie haben ja Thomas Tuchel als Trainer, der zu seinem Einstieg alle bei seinen Spielern angesagten Restaurants abklapperte und um Meldung bat, sollte dort einer zum Schlemmen und Feiern auftauchen. Und der konsequent die Kohlehydrate aus dem Leben seiner Stars und den Sprudel aus dem Wasser gestrichen hat.
Tatsächlich ist das Leben bei PSG eines der härtesten.
Guenter.Klein@ovb.net