Bekannte Reflexe

von Redaktion

Vor dem zweiten BBL-Finale in Berlin stehen mal wieder die Schiedsrichter im Mittelpunkt

VON PATRICK REICHELT

München – Am Tag danach hat sich Marco Baldi dann doch noch einmal zu Wort gemeldet. Es mache in den Playoffs ja nicht viel Sinn, zurückzublicken, betonte der Manager von Alba Berlin gegenüber Berliner Medien. Das nächste Spiel sei zu nah – schon heute (20.30 Uhr) geht die Finalserie gegen die Basketballer des FC Bayern in der Berliner Arena weiter. Dann tat er es natürlich doch. „Es ist immer schlecht“, setzte Baldi an, „wenn nicht die Spieler ein Spiel entscheiden.“

Was er damit meinte, ist leicht zu erraten. Zwei Entscheidung der Schiedsrichter in der Schlussphase des ersten Finalspiels am Sonntag hatten ihn erbost. Einen Schubser gegen Center Landry Nnoko hatten die Unparteiischen ungeahndet gelassen. Ein Zusammenprall von Spielmacher Peyton Siva und Bayerns Vladimir Lucic wurde zuungunsten des Berliners ausgelegt.

Man kann nun natürlich darüber streiten, welche Auswirkungen das wirklich auf Spiel hatte. Waren es tatsächlich die Schiedsrichter oder hatte Alba, das nach Fünf-Punkte-Führung in den drei Schlussminuten nur noch einen Korb erzielte, seine Chancen nicht auch selbst liegen gelassen? Im entscheidenden Moment das richtige zu tun, das ist eine Qualität, über die auch Baldi im Vorfeld des Finales gesprochen hatte. Bei den Bayern hatte sich das im Saisonverlauf zu einer Spezialdisziplin entwickelt. Auch in der Euroleague wurden die engen Spiele wie gegen Fenerbahce Istanbul, den FC Barcelona oder Panathinaikos Athen allesamt gewonnen. Und Alba? „Diese Erfahrungen können wir noch nicht haben, da müssen wir uns entwickeln“, hatte der Alba-Manager erklärt.

Allerdings gehört der erhobene Zeigefinger gegenüber den Unparteiischen beim eloquenten Berliner Chef auch zum festen Repertoir. Wer in den Archiven blättert, findet kein Jahr, in dem sich Baldi nicht über den Einfluss der Schiedsrichter ereifert hätte. Auch die Duelle mit dem FC Bayern waren von diesen Nebengeräuschen begleitet. Im Finale 2014 ereiferte sich der 57-Jährige unter anderem darüber, dass die Regelhüter die angebliche Fallsucht des Münchner Spielmachers Malcolm Delaney ungeahndet ließen. Und im vergangenen Jahr lastete Baldi die 66:72-Niederlage im dritten Endspiel nicht zuletzt auch den Schiedsrichtern um Martin Matip an, der auch am Sonntag mit von der Partie war.

Ob so etwas allerdings auch nur Auswirkungen auf die Ansetzungen der Unparteiischen in den folgenden Finalspielen hat, ist zu bezweifeln. Die Bundesliga dürfte im weiteren Verlauf der Serie ohnehin auf ihre Spitzenkräfte wie Robert Lottermoser und Anne Panther zurückgreifen.

Peyton Siva, einer der direkt Betroffenen am Sonntag, wollte schon direkt nach Spielende kein Wort mehr über die viel diskutierten Szenen mehr verlieren. „Die Schiedsrichter haben schon einen harten Job“, sagte er, sie pfeifen das, was sie sehen.“

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