Der neue Kaymer

von Redaktion

Deutschlands Top-Golfer führt ein starkes Feld bei den BMW International Open an

VON CHRISTIAN FELLNER

München – Fünf Jahre dauert die Durststrecke des Martin Kaymer nun schon an. Seit Juni 2014 hat er kein Golfturnier mehr gewonnen, auf keiner der großen Touren, nicht in Europa, nicht in den Vereinigten Staaten. Doch: Der Trend zeigt nach oben. „Es ist noch Luft nach oben“, sagte er gestern bei der Auftaktpressekonferenz der BMW International Open in München. Vor knapp drei Wochen bot sich dem Rheinländer sogar die Chance, mal wieder einen Coup zu landen. Schließlich waren alles seine drei Erfolge in den USA richtige Kracher: 2010 das PGA Championship, 2014 das Players Championship und im selben Jahr die US Open – drei der wichtigsten Turniere weltweit. Nun lag Kaymer also beim Memorial von Legende Jack Nicklaus nach drei Tagen solide in Führung. Es reichte noch nicht. In der Finalrunde wurde er von einem entfesselt aufspielenden Patrick Cantlay (USA) übertrumpft, landete auf Rang drei. Aber: Es war ein Lichtblick. Ein Mutmacher für den 34-Jährigen, dem vor allem das Vertrauen in die eigene Stärke über die erfolglosen Jahre abhanden gekommen war.

Nun kehrt Kaymer zurück nach München. Am Donnerstag beginnen die BMW Open im Golfclub Eichenried. An einem Ort, an dem im Jahr 2008 seine Karriere so richtig Fahrt aufnahm. Wenige Monate zuvor hatte er als 23-Jähriger in Abu Dhabi erstmals in Europa gewonnen. Dann kam der Sieg in München. Er ist nach wie vor der einzige Deutsche, der je bei diesem Heimturnier triumphierte. Nicht einmal Bernhard Langer war dieser Erfolg vergönnt.

Eines dürfte sicher sein. Kaymer kommt mit guter Form, wenn auch sicher mit ein wenig Jetlag aus den Staaten. Denn dem glanzvollen Auftritt in Texas ließ er zuletzt einen 35. Rang bei den US Open in Kalifornien folgen. Ein solides Resultat. Kaymer wirkt frohen Mutes, positiver als zuletzt. „Ich habe mich ein bisschen davon frei gemacht, resultatorientiert zu denken“, verriet er in München. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Prozess, den ich gerade durchlaufe. Ich habe – auch abseits vom Golf – an vielen Dingen gearbeitet. Ich versuche, viele Sachen rauszunehmen, die einen vom Eigentlichen ablenken.“ Er verweist auf die sozialen Medien, die ihn oftmals unterbewusst beeinflusst hätten. „Ich versuche, das zu reduzieren und an den Turniertagen ganz sein zu lassen. Man merkt, dass man entspannter ist und mehr Ruhe hat.“

Kaymer führt in München ein Feld von zwölf deutschen Profis und zwei Amateuren an. Er ist nach wie vor der Leader – unbestritten. In einer Phase, in der das deutsche Spitzengolf weiterhin krankt. Maximilian Kieffer ist auf der europäischen Tour als 53. der Rangliste die Nummer eins – und neben Kaymer (83.), der bisher mehr in den USA spielte, der einzige in den Top-100. Kieffer, ebenfalls Rheinländer, war heuer einmal nah dran an einem Erfolg, verspielte ihn im Oman auf den Schlusslöchern.

Sonst gab es bisher wenig positive Schlagzeilen. Marcel Siem, einst als Kind in Eichenried daheim, kämpft darum, den Anschluss wieder zu finden. Er reiste in der Vorwoche an, trainierte auf der runderneuerten Anlage. In Europa war schließlich Pause, während es bei den US Open ums große Geld ging. Bekannte Gesichter sind auch die Wahl-Münchner Bernd Ritthammer und Zwei-Meter-Mann Sebastian Heisele sowie der ebenfalls in der Landeshauptstadt aufgewachsene Florian Fritsch.

Zwei mit bayerischem Stallgeruch fehlen: Alex Cejka und das Eichenrieder Eigengewächs Stephan Jäger. Beide sagten kurzfristig ab. Sie kämpfen auf ihrer Heimattour in den USA um die Spielberechtigung, brauchen noch Dollars. Jäger steht auf Position 142, Cejka gar nur auf 204 – nur die besten 125 aber bleiben im Besitz der Tourkarte. Also ging’s nach Connecticut, nicht in München.

An Zugpferden aber mangelt es nicht. Dafür haben die Organisatoren gesorgt. Der Spanier Sergio Garcia gilt als Stammgast in München, liebt das bayerische Flair und die schnellen Flitzer des Hauptsponsors. Seine Ryder-Cup-Kollegen Thorbjörn Olesen (Dänemark), Alex Noren (Schweden) sowie der Spanier Rafael Cabrera-Bello gehören durchaus zur Crème-de-la-crème des europäischen Spitzengolfs. Der Österreicher Bernd Wiesberger, gerade in den Kreis der Sieger zurückgekehrt, und der junge Engländer Matthew Fitzpatrick saßen auch im Flieger, der am Montag die Top-Stars direkt von den US Open nach Oberbayern brachte. Nicht zu vergessen Titelverteidiger Matt Wallace, damals noch eher ein Nobody, der beim vorerst letzten Auftritt in Köln 2018 Kaymer den Heimsieg wegschnappte, und mittlerweile als Mann mit großen Ambitionen gehandelt wird.

Mit Alphörnern wurden die Stars empfangen, flankiert von Mannsbildern in bayerischer Tracht – ein bisschen weiß-blauer Kitsch musste schon sein. Dieses Flair macht die BMW Open eben auch aus.

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