Platinis seltsames Prinzip

Ein wenig geben und viel nehmen

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Es ist erst ein paar Tage her, kurz vor der Wahl des Fifa-Präsidenten war es, da hat sich Michel Platini mal wieder ins Gespräch gebracht. Gianni Infantino, kritisierte er, sei „nicht glaubwürdig“ und deshalb ungeeignet, den Fußball-Weltverband zu führen. Mit dieser Meinung stand er zwar nicht alleine, aber es mutete schon seltsam an, dass ausgerechnet ein Mann über Glaubwürdigkeit referierte, der selbst weit davon entfernt ist, seriös und aufrichtig zu sein. Der frühere Fußball-Profi, und das weiß man allerspätestens seit 2015, als ihm eine Korruptionsaffäre eine Sperre einbrachte, ist keinen Deut besser als Infantino. Die neuen Ermittlungen bekräftigen dies.

Platini war einer der besten Fußballer der Welt, Europameister, Europapokalsieger, mehrfacher Meister mit Juventus Turin. Er wurde gefeiert und hofiert. Er hatte als Fußball-Profi Vergünstigungen, bekam Geschenke und wurde umschmeichelt, das war damals nicht anders als heutzutage.

Womöglich ging in jener Zeit bei Platini bereits das Unrechtsbewusstsein verloren. Als Funktionär hat er jedenfalls von Anfang an nach dem Prinzip „Ein bisschen geben und vor allem viel nehmen“ gehandelt. Seine Wahl zum UEFA-Präsidenten 2007 hatte Platini vor allemkleineren Fußballverbänden zu verdanken, bald darauf bekamen die Außenseiter Polen und die Ukraine den Zuschlag für die EM 2012 – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Er bedachte aber nicht nur ihm wohlgesonnene Fußball-Verbände, sondern auch die eigene Familie. Vetternwirtschaft war für Platini jedenfalls nichts Verwerfliches. Sein Schwiegersohn Yohann Zveig durfte die UEFA-Hymne produzieren, sein Sohn Laurent ist Generalmanager eines in der Schweiz beheimateten Sportartikelkonzerns, der zum Portfolio des Fonds Qatar Sports Investment gehört – jenem Unternehmen, das kurz nach der WM-Vergabe an Katar zunächst Anteile am französischen Meister Paris St. Germain erwarb. Später wurde der Club komplett übernommen. Wie es sich nach den Erkenntnissen der französischen Ermittler darstellt, war PSG Teil der Verhandlungsmasse beim Katar-Deal.

Dass sich Platini nichts vorzuwerfen hat, ist keine Überraschung. Mit dieser Art von Geschäften hat er es einst weit gebracht. Und ist dann aber auch tief gefallen.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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