Das letzte Puzzlestück

von Redaktion

Transfer perfekt: Mit Hummels bläst der BVB zum Angriff auf den FC Bayern

VON JONAS AUSTERMANN

München – Borussia Dortmund schaltet in den Meister-Modus – und Mats macht’s möglich: Seit Mittwochnachmittag, 14.45 Uhr, ist es offiziell: Mats Hummels (30) wechselt vom FC Bayern zurück zum BVB, nur der Medizincheck steht noch aus. Die Schwarz-Gelben legen dafür etwas mehr als 30 Millionen Euro auf den Tisch, aufgrund erfolgsabhängiger Klauseln kann die Ablöse noch auf bis zu 38 Millionen steigen.

Unmittelbar nach der Verkündung des spektakulären Transfers machte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten klar: „Wir werden in die Spielzeit mit der Maßgabe gehen, dass wir ohne Wenn und Aber um die deutsche Meisterschaft spielen wollen.“ Und der Serienmeister aus München? Der wird sich ganz schön strecken müssen – erst auf dem Transfermarkt, dann im sportlichen Wettbewerb. Denn schon in der abgelaufenen Saison durfte sich der FC Bayern nur vier Pleiten in 34 Spielen erlauben, wurde am Ende mit zwei Zählern Vorsprung knapp Meister.

Dass ein zwischenzeitlicher Neun-Punkte-Vorsprung noch verspielt wurde, stieß den Verantwortlichen in Dortmund offenbar sauer auf. Und Geld heilt bekanntlich alle Wunden. Also ging Sportdirektor Michael Zorc auf Einkaufstour. Im Warenkorb landeten Julian Brandt (für 25 Millionen Euro von Leverkusen), Nico Schulz (27 Mio., Hoffenheim) und Thorgan Hazard (25,5 Mio., Gladbach). Zudem verpflichtete der BVB den bislang ausgeliehenen Stürmer Paco Alcacer fest vom FC Barcelona, Kostenpunkt: 21 Millionen. Nach dem Hummels-Transfer hat der Vizemeister für fünf Spieler fast 130 Millionen gezahlt.

An der Säbener Straße hingegen tun sich die Verantwortlichen etwas schwerer, wenn es um Neuzugänge geht. Nach Uli Hoeneß’ vollmundiger Ankündigung im Februar („Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die neue Saison …“) folgte lediglich die offizielle Verkündung des Hernandez-Deals (für 80 Mio. von Atlético Madrid). Außerdem kommen Benjamin Pavard (35 Mio., Stuttgart) und Talent Jann-Fiete Arp (drei Mio., Hamburg) nach München. Das war schon vorher klar. Macht fast 120 Millionen für drei Neue. Und mindestens ein ganz dicker Fisch soll Sportdirektor Hasan Salihamidzic noch ins Netz gehen – im Optimalfall Leroy Sané. Auch nach einem Sechser wird weiter gefahndet.

Solche Verstärkungen hat der Rekordmeister auch dringend nötig. Denn mit Arjen Robben (35), Franck Ribéry (36), Rafinha (33), James Rodriguez (27) und jetzt Hummels (30) verlassen jede Menge Erfahrung und Klasse den FC Bayern. Mittlerweile ist klar: Den echten, großen Umbruch gibt’s erst heuer. Ganz ohne Hintergedanken haben sich Coach Niko Kovac und die übrigen Verantwortlichen sicher nicht für eine Trennung von Spielmacher James und Innenverteidiger Hummels entschieden. Beide standen – das ist ein offenes Geheimnis – in der Gunst von Kovac nicht besonders weit oben. Zudem neigten die Stars dazu, ihre bisweilen unbequeme Meinung kundzutun und sich über zu wenig Spielzeit zu beschweren.

Kovac bekommt in seinem zweiten Jahr als Bayern-Trainer also mehr Wünsche erfüllt als vor der Premierensaison – damals waren es null. Klar ist damit aber auch: Die Bosse nehmen Kovac in die Pflicht. Der Kroate muss dann mit seinem Wunsch-Kader liefern. Erst einmal aber ist Salihamidzic an der Reihe. Der Sportdirektor des FC Bayern muss einen Kader zusammenstellen, der den Dortmunder Angriff auf die Schale abwehrt. Der BVB hat seine Hausaufgaben im Transfersommer früh erledigt, in München wird derweil nachgesessen.

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