München – Zwischen seinem letzten Spiel und der Ansage, dass es das jetzt war mit der Karriere, lagen eineinhalb Jahre. Aber Christoph Schubert hat es eben noch einmal versucht, bis er diese Woche feststellen musste: „Meine Schulter reicht für Profi-Eishockey nicht mehr aus.“ Im Januar 2018 hatte er sich nach einem Riss der Bizepssehne operieren lassen, ging seitdem durch die Strapazen der Reha – ohne den gewünschten Erfolg. Daher hat der gebürtige Münchner seinen Status auf „Retired“ gesetzt. Er ist nun offiziell ein Ex-Eishockeyspieler.
„Schubi“ ist der Münchner, der es bis jetzt am weitesten gebracht hat in der großen Welt des Eishockeys. 2007 stand er mit dem NHL-Club Ottawa Senators im Finale um den Stanley Cup. Allerdings in ungewohnter Rolle: Nicht auf seiner Stammposition als Verteidiger, für die er körperlich prädestiniert war (1,90 Meter, 107 Kilogramm), sondern als Aushilfs-Außenstürmer in der vierten Reihe. In Nordamerika biss er sich durch, kam auf 346 NHL-Spiele – nicht schlecht für einen Deutschen. Dass sein Erfolg drüben hierzulande kaum registriert wurde, störte ihn: „Statt über ein Stanley-Cup-Finale wird lieber über ,Deutschland sucht den Superstar‘ berichtet.“
Dabei stand er in seinen frühen Jahren selbst Superstar-mäßig im Blickpunkt. Als Bogenhausener sollte er bei den München Barons, die in ihrer Zeit (1999 bis 2002) das Image des amerikanischen Plastikclubs nie loswurden, zur Identifikationsfigur aufgebaut werden. Mit 18 und nach seiner Ausbildung beim EV Landshut bekam Schubert einen Stammplatz bei den Barons und reichlich Platz in den Münchner Medien, die ihn feierten, nachdem er trotz des Verlusts mehrerer Zähne durch einen Schlagschuss zum nächsten Spiel wieder antrat. In der Nachbetrachtung fand der damalige Barons-Manager Max Fedra: „Wir haben es mit Schubi übertrieben, ihn zu sehr in den Mittelpunkt gestellt.“
In Nordamerika reifte Schubert zur Persönlichkeit, und immer wenn es passte, spielte er auch für die Nationalmannschaft. Zweimal bei Olympia, sechsmal bei Weltmeisterschaften. In den Sommern kam er immer nach München, trainierte im Olympiastützpunkt an einer Schussmaschine für Eishockeyspieler, aufgebaut im Marathontor des Olympiastadions.
Als es 2010 in der NHL keinen Vertrag mehr für ihn gab, wechselte Schubert über Schweden (Frölunda Göteborg) zu den Hamburg Freezers – also eigentlich den München Barons, die 2002 in den Norden hatten umziehen müssen. Vor drei Jahren meldete Betreiber Phil Anschutz (Los Angeles) den Club dann einfach ab. Zusammen mit dem Hamburger Feldhockey-Star Moritz Fürste stand Schubert an der Spitze der Protestbewegung, die Spenden sammelte und um Sponsoren warb, damit Hamburg DEL-Standort erhalten würde. Anschutz jedoch verkaufte die Lizenz ungerührt an Bremerhaven.
Schubert blieb in Hamburg, spielte für die Crocodiles in der Oberliga weiter – was ihn sportlich unterforderte: In 45 Spielen der Saison 2016/17 fabrizierte er die für einen Verteidiger unfassbare Bilanz von 82 Scorerpunkten. Im Jahr darauf folgte die Verletzung, die nicht mehr reparabel war.
Das Eishockey-Leben soll für Christoph Schubert mit 37 aber weitergehen. Er will Trainer werden. Er sagt, er brauche das Eis und den Geruch von Schweiß.