Düsseldorf – Als die erste Enttäuschung über den verpassten Titel-Hattrick verflogen war, konnte Max Hartung schon wieder lächeln. Nach vielen Schulterklopfern von Teamkollegen, Freunden und Fans machte sich beim deutschen Säbel-Spezialisten langsam der Stolz über die Medaille breit. Zuletzt hatte der Dormagener zweimal EM-Gold in Folge geholt – mit Bronze bei der Heim-EM unterstrich der 29-Jährige nun seinen Status als Aushängeschild der deutschen Fechter.
„Direkt nach dem Match bin ich erst mal frustriert. Aber eigentlich ist es toll“, sagte Hartung. Zusammen mit Degenfechterin Alexandra Ndolo, die ebenfalls Bronze gewann, war ausgerechnet er es, der für den deutschen Befreiungsschlag in Düsseldorf sorgte. Ganz zur Freude von Sportdirektor Sven Ressel, der nach zwei medaillenlosen Tagen „große Erleichterung“ verspürte.
Mit der Medaille im Rücken führt Hartung die deutschen Säbel-Männer in den morgige Mannschafts-Wettbewerb – mit klaren Zielen. „Ich glaube, dass wir was holen können“, sagte Hartung, für den der WM-Titel 2014 im Team der „emotionale Höhepunkt“ war. Mit seinen drei Teamkollegen greift er nun vor heimischem Publikum nach Gold.
Dass sein verletzter Fuß dabei Probleme machen könnte, glaubt Hartung nicht. Kurz vor der EM hatte er sich einen Kapselanriss im Sprunggelenk zugezogen. Auf seinem Weg zu Einzel-Bronze habe er „gespürt das es unrund läuft, ein bisschen behäbig, aber der Fuß hat ja gehalten“, sagte Hartung.
Im Team liegt der Fokus klar auf ihm. „Ich denke, das passiert irgendwie“, sagte er zwar, sein Status kommt aber nicht von ungefähr. Hartung ist gefragt, nicht nur auf sportlicher Ebene. Vor allem das Engagement im sportpolitischen Bereich zeichnet ihn aus. Sein Steckenpferd ist die Sportförderung. „Es ist schön, wenn ich dazu beitragen kann, anderen Sportlern einige Hürden aus dem Weg zu räumen,“ sagt er.
Hartung ist mittlerweile gut vernetzt, trifft Führungspersönlichkeiten wie IOC-Präsident Thomas Bach. Ein Treffen auf Einladung von Innenminister Horst Seehofer verschob der Gründungspräsident des Vereins „Athleten Deutschland“ allerdings, erst im Juni reist er zum Gespräch nach Berlin. Denn: Um sportlich erfolgreich zu bleiben, reduzierte Hartung sein Pensum abseits der Planche. Den Vorsitz in der DOSB-Athletenkommision gab er ab, sein Studium setzte er aus.
„Es gibt noch andere wichtige Bereiche in meinem Leben, bis Tokio werde ich das Fechten aber definitiv zur Priorität machen“, sagte er. Olympia hat er im Blick, nach der EM stehen im kommenden Monat zunächst noch die Weltmeisterschaften in Budapest an. Als Nummer zwei der Weltrangliste und Bronzegewinner von 2015 geht er auch dort unweigerlich als Favorit an den Start.
Zwar hat Hartung bereits zahlreiche WM- und EM-Medaillen gesammelt, mit den Olympischen Spielen im kommenden Jahr hat er aber noch ein großes Ziel vor Augen: „Ich würde gern dabei sein und eine Medaille holen, vor allem mit der Mannschaft.“